Ist der Papst Herr im eigenen Haus?
Führt der Vatikan ein Eigenleben? Oder führt er aus, was der Papst will? Solche Fragen stellen sich immer wieder – etwa bei Ernennungen von Leuten zu Bischöfen, die überhaupt nicht auf der Linie von Papst Franziskus liegen. (Er selber kennt ja unmöglich die vielen Dutzend Neuernannten von jedem Monat …).
Als ich letzte Woche in Rom war, stellte ich mir die obige Frage anhand eines eigentlich nicht weltbewegenden Phänomens: Auf jeder Frontseite des Osservatore Romano/OR, der päpstlichen Hauspostille, steht: «Der Heilige Vater empfing gestern ….»
Man weiss ja, das Francesco über den Titel «Heiliger Vater» eher spottet als ihn in Anspruch zu nehmen. Bekannt ist die Episode, dass der Kardinal aus den Philippinen in der Casa Santa Marta beim Frühstück sich zum ihm gesetzt hat und ihn als «Santo Padre» begrüsste. Der Papst begrüsste ihn mit «Heiliger Sohn».
Dem Einleitungssatz des erwähnten Besucherbulletins folgt jeweils eine Aufzeichnung der «Eminenzen» und «Exzellenzen», die beim «Heiligen Vater» waren. Wie man weiss, mag Francesco auch diese barocken Titel nicht.
Ein Vergleich: Was würde aus dem Redaktor einer Betriebszeitung, der seinen Chef dauernd mit einem Titel versieht, den dieser offensichtlich ablehnt?
Ich weiss, vielleicht über-interpretiere ich. Aber beim Lesen des OR überkam mich ein ungutes Gefühl.
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Karl Stadler sagt:
Ich war zwar schon in Rom, aber noch nie im Vatikan. Dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass Franziskus nicht Herr im eigenen Hause ist, nicht sagt, wo es lang geht. Jetzt haben doch gerade kürzlich über hundert Gardisten ihm bei Gott und allen Heiligen den Treueeid geschworen. Die werden doch Manns genug sein, Aufwieglern und Intriganten den Ausgang zu zeigen?