Die Vision vieler Palästinenser: "Unter den Olivenbäumen" in Frieden leben. © zVg
Walter Ludin

Israel-Palästina: Visionäre Thesen

Israel und Palästina: 80 Thesen für ein neues Friedendlager/Schluss
(Weil ich in vergangenen Blogs Abschnitte aus den Thesen für ein neues Friedenslager zitiert habe, wurde mir Antisemitismus vorgeworfen; obwohl die Thesen von namhaften Israelis stammen. Seltsam!)
Das Oslo-Abkommen
(Das Oslo-Abkommen von 1993 wurde viel gerühmt. Vor allem den Palästinensern wurde vorgeworfen, es gebrochen zu haben. Die Faken sehen differenzierter aus😊
60. Der hauptsächliche Mangel des Abkommens war, dass beide Seiten hofften, ihre vollkommen gegensätzlichen Ziele zu erreichen. Die Palästinenser sahen es als ein zeitweiliges Abkommen an, das den Weg zur Beendigung der Besatzung und zur Gründung eines Palästina-Staates in allen besetzten Gebieten bereitete. Die jeweiligen israelischen Regierungen sahen in ihm den Weg, die Besatzung in großen Teilen des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens aufrecht zu erhalten, wobei der palästinensischen Selbstregierung (self-government) die Rolle einer Hilfsagentur für die Sicherheit Israels und der Siedlungen zufallen sollte.
61. Darum stellt Oslo nicht den Beginn eines Prozesses zur Beendigung des Konflikts dar, sondern eher eine neue Phase des Konflikts.
62. Da die Erwartungen beider Seiten so sehr von einander abwichen und jede völlig an die eigene nationale Geschichtsdeutung gebunden blieb, wurde jeder Abschnitt des Abkommens verschieden interpretiert. Letzten Endes wurden viele Teile des Abkommens vor allem von Seiten Israels nicht umgesetzt. (Der dritte Rückzug, die vier sicheren Passagen zwischen dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland, u.a.)
63. Während der ganzen Periode des Oslo-Prozesses fuhr Israel mit der Ausdehnung der Siedlungen fort, indem es hauptsächlich unter verschiedenen Vorwänden neue gründete, die bestehenden vergrößerte, ein sorgfältig ausgearbeitetes Netz von Umgehungsstraßen baute, Land enteignete, Häuser zerstörte und Plantagen verwüstete. Die Palästinenser andrerseits nutzten die Zeit, ihre Kräfte auszubauen innerhalb und außerhalb des Rahmens des Abkommens. Tatsächlich ging der historische Konflikt unter dem Vorwand der Verhandlungen und des «Friedensprozesses» unvermindert weiter, der stellvertretend für tatsächlichen Frieden stand.
Ein neues Friedenslager
(Obwohl die vorliegenden Thesen bereits 2001 verfasst wurden enthalten sie Visionen, die bis heute gültig sind:)
77. Das neue Friedenslager muss die öffentliche Meinung zu einer mutigen Neubewertung der nationalen Geschichtsdeutung und deren Befreiung von falschen Mythen bewegen. Es muss danach streben, die Geschichtsdeutungen der beiden Völker in einer gemeinsamen Deutung zu vereinen, die frei von Fälschungen ist und von beiden Seiten akzeptiert werden kann.
78. Dabei muss sie der israelischen Öffentlichkeit auch vermitteln, dass, bei all den schönen und positiven Seiten des zionistischen Unternehmens, dem palästinensischen Volk furchtbares Unrecht angetan wurde. Dieses Unrecht, das seinen Höhepunkt während der «Nakba» erreichte, verpflichtet uns, Verantwortung zu übernehmen und den Schaden wieder gutzumachen, so weit dies möglich ist.

Die Vision vieler Palästinenser: «Unter den Olivenbäumen» in Frieden leben. © zVg
28. März 2025 | 13:56
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!

4 Gedanken zu „Israel-Palästina: Visionäre Thesen

  • Ayelet Kindermann sagt:

    Wie wäre es, mal die Stimme zu erheben für die mutigen Menschen in Gaza, die sich trauen gegen die Hamas zu protestieren? Einer der Leiter der Demonstrationen, Oday Nasser Al Rabay, wurde von der Hamas mittlerweile gefoltert und getötet. Es kann nicht sein, dass zu den mörderischen Einschüchterungen der Hamas gegen die Gazaner nur geschwiegen wird.
    Zur sogenannten Nakba empfehle ich Ihnen das Buch “Palästina 1936” von Oren Kessler.

  • stadler karl sagt:

    Es kann auf diesem Blog noch so oftmals bestritten werden: Der Staat Israel machte den Palästinensern mehrmals das Angebot, um die 97% des Westjordanlandes und Ostjerusalems im Hinblick auf eine künftige palästninensische Staatsgründung zurückzugeben, Gebiete, die übrigens vor dem Sechstagekrieg von Jordanien annektiert waren. Dies anfänglich zu einer Zeit, als die Westbank im Vergleich zu heute nur von recht wenigen Siedlern besiedelt war. Die Antwort war immer blanker palästinensischer Terror. Seit 1948, als der Staat Israel auf dem von den Vereinten Nationen den Israelis zugestandenen Gebiet ausgerufen wurde, wurde der jüdische Staat in steter Regelmässigkeit von den ihn umgebenden Todfeinden angegriffen. Die Hauptursache dieses alten Konfliktes bildet nicht die völkerrechtswidrige Siedlungspolitik als vielmehr der Umstand, das weite Teile der Palässtinenser und der islalmischen Welt die Legitimation eines jüdischen Staates in dieser Gegend seit achzig Jahren bestreiten und dessen Existenz mit allen Mitteln bekämpften und dessen Zerstörung zum Ziel erhoben..
    Der israelischen Öffentlichkeit ist sehr wohl bewusst, dass Israel den Palästinern auch schweres Unrecht angetan hat. Die Frage ist nur, ob im Gegenzug das Unrecht, das seitens der Palsästnenser und weiter Teile der islamischen Welt gegenüber Israel angetan wurde, ebenfalls anerkannt wird und im Bewusstsein vorhanden ist. Wenn die Nakba im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg gegen Israel 1948 immer erwähnt wird, so wird gleichzeitig z.B. ausgeblendet, dass in der Folge fast sämtliche jüdischen Gmeinden in dier isamischen Welt zerstört wurden und um die 900’000 Jüdinnen und Juden, einiges mehr als Palästinenser in der Nakba, um ihr Hab und Gut gebracht wurden und fliehen mussten oder verjagt wurden.
    Dass im Zuge dieses Konfliktes nicht wenige islamistische Einwanderer in die westlichen Staaten und nicht zuletzt auch linke Aktivisten mit systemaitscher geschichtsverzerrender Propaganda die Legitimation der Existenz des Staates Israel verneinen, derart, dass mittlerweile nicht wenige jüdische Bürgerinnenn und Bürger nicht mehr wagen, zu ihrer Identität in der Öffenbtlichkeit zu stehen, dies achzig Jahre nach dem Holokaust, ist ebenso eine Tatsache.
    Und auf christllichen oder katholischen Plattformen wäre es vielleicht angezeigter, statt der israelischen Öffentlichkeit Ratschläge zu erteilen, ein wenig darüber zu reflektieren, welche Zusammenhänge denn bestehen könnten zwischen dem jahrtausende alten christlichen Antijudaismus mit seinen unzähligen Pogromen und dessen Begünstigung des später entstehenden mörderischen rassistischen Antisemitismus, aber anderseits auch der Entstehung des zionistischen Wunsches, endlich eine sichere Heimstätte für die Juden zu erlangen, wo sie in Sicherheit ihre religiösen und kulturellen Lebensformen pflegen könnten.

  • Pia Tschupp sagt:

    Wie wäre es, liebe Frau Kindermann, wenn die mutigen (kranken, hungernden, obdachlosen und frierenden) Menschen in Gaza sich trauen würden, nicht gegen die Hamas sondern gegen die israelische Regierung, gegen die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen, protestieren würden?
    Eine Antwort darauf finden wir – egal wie lange wir vor-und rückwärts blättern in der Geschichtsschreibung – wohl nirgends.

    ” Die kommenden Generationen werden wissen, dass wir diese menschliche Tragödie über die sozialen Medien und die Nachrichtenkanäle mitverfolgt haben.
    Wir werden nicht sagen können, wir hätten es nicht gewusst.
    Die Geschichte wird fragen, warum die Welt nicht den Mut hatte, entschlossen zu handeln und diese Hölle auf Erden zu beenden.” (Philippe Lazzarini)

    • Kindermann, Ayelet sagt:

      Verstehe ich Sie richtig? Sie raten den seit Jahrzehnten gegen Israel demonstrierenden Palästinensern, sich für das Ziel der Hamas, die Israelis auszulöschen, lieber zu opfern, statt sich gegen eine korrupte Terrororganisation zu wehren, die die Gazaner benutzt, unterdrückt und deren Tod kaltblütig für die PR einkalkuliert? Nebenbei bemerkt: Von den etwa 6000 Christen, die bis zum Abzug Israels im 2007 in Gaza lebten, sind noch knapp 1000 in Gaza ansässig. Diese müssen sich den islamistischen Regeln der Hamas unterwerfen. Im Gaza der Hamas ist kein Platz für Nichtmuslime, Frauenrechte, Homosexuelle, säkulare Muslime oder Freigeister.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst diese HTML-Tags und -Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.