Islam I. Was haben wir Christen mit den Muslimen gemeinsam?
Darüber referierte ich Anfang Mai in Dublin an der Studienwoche der Missionsverantwortlichen der Kapuziner Nord-West-Europas. In freien Folgen dokumentiere ich hier Auszüge daraus.
Ich bin kein Islam-Wissenschaftler. Doch ich interessiere mich für den muslimischen Glauben, und zwar seit etwa 30 Jahren. Damals habe ich mir die Mühe genommen, den ganzen Koran zu lesen. Es war eine mühsame Sache. Vieles verstand ich nicht. Aber ich habe einigermassen eine Ahnung, was darin steht.
Es erschüttert mich immer, wenn Islam-Kritiker und Islam-Feinde lautstark, die nie den Koran in der Hand hatten, über ihn lautstark Dinge behaupten, die überhaupt nicht stimmen.
Darunter gibt es auch gescheite, integere Leute. Ich denke da an einen lieben Mitbruder mit akademischem Abschluss. Nach einer Heilig-Land-Reise erzählte er uns von einer «schlimmen» Aussage, die im Koran stehe. Ich erinnerte mich nicht daran, so etwas gelesen zu haben. Ich fragte ihn, wo er diese Stelle gefunden habe. Die Israelis hätten ihm davon erzählt. Es ist ja nicht sehr redlich, Gegner der Araber als Quelle für den Koran zu benutzen. Aber ähnliches wird sehr oft getan, vor allem auch von christlichen Populisten und Fundamentalisten. Seien wir also vorsichtig, wenn etwas als «koranisch» präsentiert wird.
Dies meine Vorbemerkung. Beginnen wir nun mit einem Gebet.
«Alles Lob gehört Gott, dem Herrn der Welten,
(Alles) Lob gehört Gott, dem Herrn der Welten,
Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.
Leite uns den geraden Weg,
den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast,
nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben,
und nicht der Irregehenden!»
Soweit der Text des Gebets. Ich habe ihn einmal an den Anfang eines pfarreilichen Gottesdienstes gestellt. Alle waren erstaunt, als ich hinzufügte, es sei kein christliches, sondern ein muslimisches Gebet; nämlich die Sure 1: al-Fatiha (Die Eröffnende). Um dies nicht zu verraten, hatte ich den ersten Vers weggelassen, der heisst: «Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.»
Zudem hatte ich im 2. Vers statt «Allah» «Gott» eingesetzt. Allerdings: Im arabischen Raum und auch in Indonesien, dem Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung, verwenden auch die Christen «Allah» als Gottesnamen.
Da ich in den nächsten Wochen auf Kreta als Touristenseelsorger und Tourist bin und nur selten online gehe, kann ich allfällige Kommentare nicht immer zeitgleich akzeptieren.
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Mike sagt:
Wie weit muss man sich eigentlich gegen die eigene Vernunft stellen, um die Kreuzigung zu leugnen? Welchen Gewinn glaubt man daraus zu ziehen, dass man gegen die Verkünder der Auferstehung ins Feld zieht? Und seit wann ist der dreifaltige Gott das Gleiche wie nur eine der drei Personen?
Sagen Sie mir doch die Antworten, lieber Pater Walter, und dann will ich die Religionskonflikte zwischen Christen und Moslems auch etwas weniger pessimistisch betrachten. Nichts für Ungut : )
wludin sagt:
Leider kann ich nur ganz kurz antworten – zumal ich beim “Gottesbild” auf diese Fragen eingehen werde:
-Ich kenne auch christlich getaufte Esoteriker, die meinen Jesus sei nicht gekreuzigt worden, sondern zum Beispiel nach Indien geflohen. Offenbar liess Mohamad sich von solchen Vorstellungen beeinflussen.
-Unter “Dreifaltigkeit” verstand nicht kleine Kreise der Kirche Gott Vater, Sohn und – Maria. Es wird wohl dieses falsche Verständnis abgelehnt.
Sorry, dass ich nur so kurz antworte.
Andreas sagt:
Welche christlichen Kreise eine entstellte Vorstellung der Dreifaltigkeit haben (in Relation waren es doch eher kleine Sondergruppen) ist irrelevant: Abgelehnt wird der für den christlichen Glauben zentralen Satz, daß Gott in seinem Sohn Mensch geworden ist.
Woher sich Mohammed beeinflussen ließ, ist ebenfalls egal. Bemerkenswert ist allerdings, daß der Koran falsche Behauptungen und Vorstellungen – die man einfach nachprüfen kann – als göttliche Verbalinspiration ausgibt.
Mike sagt:
Lieber Pater Walter,
“Sorry” brauchen Sie auch bei differenter Meinung nicht zu sagen; es überrascht und freut, dass Sie persönlich antworten.
Dass es trotzdem nicht recht ist, wenn Menschen sich geistig oder leiblich über Jesus hinwegsetzen, werden Sie verstehen. Es freut mich, wenn Sie im Blogteil “Gottesbild” darauf eingehen wollen. Gespannten Gruss.