Erich Schweizer

In 14 Stunden die Bibel lesen

Wie sollen wir die stetig wachsende Informationsfülle bewältigen? Wir müssen schneller lesen, lautet eine mögliche Antwort. Dabei hilft uns – wer sonst – das Internet.

Lesen Sie? – Dumme Frage. Natürlich. Sie tun es ja gerade.
Lesen Sie schnell? – Hoffentlich nicht! Ich bemühe mich ja schliesslich um hübsche Formulierungen.
Schnelles Lesen ist im Moment aber angesagt. Schnelles Schreiben weniger. Es gibt ja genug Geschriebenes. Wie soll man das alles lesen können?
Zwei Ansätze zur Bewältigung der Informationsflut buhlen gegenwärtig um die Gunst des Publikums: Texte zusammenfassen oder Texte so darstellen, dass sie schnell gelesen werden können.

Zusammenfassungen

getAbstract (www.getabstract.com) macht es seit 1999 vor: Die Firma fasst Wirtschaftsbücher und Literaturklassiker auf wenigen Seiten zusammen. Sie kennen diese Zusammenfassungen bestimmt aus der Werbung der NZZ. Inzwischen sind andere Komprimierer an den Start gegangen.
Allen voran Summly, die iPhone-App eines mittlerweile 17-Jährigen. Die Anwendung analysiert automatisch beliebige Texte und «dampft» sie auf 400 Zeichen ein. So lassen sie sich auf dem iPhone ohne Scrollen lesen. Sie finden das schwachsinnig? Yahoo-CEO Marissa Meyer nicht. Sie soll Summly soeben für knapp 30 Millionen US-Dollar gekauft haben – 90 Prozent davon in bar, zehn Prozent in Aktien. Die App ist gegenwärtig nicht mehr verfügbar.
Blinkist (www.blinkist.com), ein kostenpflichtiger Dienst, reagiert ebenfalls auf die veränderten Lesegewohnheiten. Die Firma fasst Bücher in «blinks» zusammen, überschaubaren Textpassagen, die jeweils einen Kerngedanken enthalten und sich leicht auch unterwegs und in einer kurzen Verschnaufpause lesen lassen. Jedes Buch könne – so behauptet Blinklist – in etwa 8 bis 12 blinks wiedergegeben werden.

Speedreading

Was aber, wenn Sie nicht Zusammenfassungen, sondern die Originaltexte lesen möchten? Dann müssen Sie halt schneller lesen.
Squirt (www.squirt.io) erlaubt es Ihnen, Texte mit einer Geschwindigkeit von bis zu 950 Wörtern pro Minute zu lesen. Für diesen Blog-Beitrag hier brauchen Sie dann gerade mal knapp 23 Sekunden. Ohne Hilfsmittel bringt man es beim Lesen auf etwa 120 bis 200 Wörter pro Minute. Mit Squirt lesen Sie die ganze Bibel in etwas mehr als 14 Stunden.
Spritz (www.spritzinc.com) beschreitet ab dem 21. März 2014 einen vergleichbaren Weg.
Readability (www.readability.com) geht von einem andern Ansatz aus. Browser-Ergänzungen bzw. Apps für verschiedene Plattformen bringen Web-Inhalte in eine besonders gut lesbare Form, speichern sie und erlauben die Lektüre in einem Moment der Musse … Fast zu schön um wahr zu sein.

Speedreading, Screenshot
17. März 2014 | 09:53
von Erich Schweizer
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