Gottes/Allahs vielfältige Barmherzigkeit im Koran
Es fällt mir auf: Die Barmherzigkeit Gottes wird heute in der christlichen Theologie und Verkündigung stärker betont als früher. So spricht man nicht mehr oft von einem strafenden Gott, dafür von einem barmherzigen. Ein deutliches Beispiel, das wir alle kennen: Eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu wurde als Geschichte vom Verlorenen Sohn betitelt. Jetzt aber nennt man es Gleichnis des Barmherzigen Vaters.
Es mindert die Wichtigkeit des christlichen Glaubens keineswegs, wenn ich daran erinnere, dass die Barmherzigkeit auch im Islam ein wesentlicher, äusserst wichtiger Begriff ist. Keine andere grosse Glaubensgemeinschaft hat ein heiliges Buch, in dem jeder Abschnitt, mit einer Ausnahme, mit dem Hinweis auf den barmherzigen Gott beginnt. Am Anfang von 113 der 114 Suren steht: «Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.»
Bevor wir miteinander einige Blicke in den Koran werfen, eine Klammerbemerkung: Wie wir alle wissen, verachten hierzulande sehr viele den Islam. Die meisten meinen zu wissen, wie viel Schlimmes im Koran steht. Aber ich habe die Beobachtung gemacht, dass niemand von ihnen dieses Buch auch bloss in den Händen gehabt hat. Würden sie sich die Mühe nehmen – und wie schon Goethe sagte – ist es äusserst mühsam, den Koran zu lesen, dann sähen sie, wie viel Schönes, Positives darin steht.; eben zum Beispiel die Aussagen über Gottes Barmherzigkeit. Klammer geschlossen.

Nun zum Koran: Hier wird gezeigt, dass die Barmherzigkeit für Allah, den einen Gott, nichts Nebensächliches ist. Es ist sein Programm, wenn es heisst: «Vorgeschrieben hat er sich selbst die Barmherzigkeit.» Wo zeigt sich dieses göttliche Handlungsprinzip? Ich beschränke mich hier auf drei Bereiche:
- Die Natur: Ein Hinweis, der für uns sehr aktuell ist, da wir Frühling haben (wenn auch mit Unterbrüchen): Nachdem die Natur im Winter wie abgestorben ist, wird sie im Frühjahr neu belebt. So wird im Koran die sich ständig erneuernde Fruchtbarkeit der Erde als Werk des barmherzigen Gottes verstanden.
Darüber hinaus ist die ganze Schöpfung der Barmherzigkeit Gottes zu verdanken. Wörtlich, in Sure 25: «Gott ist es, der die Winde als frohe Kunde seiner Barmherzigkeit vorausschickt.» Dann: «Die Winde tragen schwere Wolken herbei, aus denen Regen hervorgeht, der allerlei Früchte wachsen lässt.»
- Ein zweiter Bereich: Die Aussagen über Jesus. Dieser wird zwar nicht als Sohn Gottes betrachtet, aber als ein sehr grosser Prophet. Bei der Ankündigung seiner Geburt – die im Koran übrigens ausführlicher dargestellt wird als in der Bibel! – heisst es: «Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen.» (Sure 27)
- Ganz kurz ein Drittes und Letztes: An verschiedenen Orten wird Gottes Vergebungsbereitschaft betont. So etwa in der dritten Sure: «Gott ist voller Vergebung und barmherzig.»
Diese wenigen Hinweise möchten zeigen, wie menschenfreundlich der Islam als Religion ist. Ihn ablehnen, ja ihn verteufeln kann nur, wer keine Ahnung von ihm hat. Und wir alle wollen doch nicht zu den Ahnungslosen gehören.
Literaturhinweis: Khoury, Hagemann, Heine: Islam-Lexikon. Band 1, S. 106 ff: L. Hagemann: Barmherzigkeit.
Predigt Klosterkirche der Kapuziner Schwyz, 27. April 25
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Hansjörg sagt:
Wie kann denn ein barmherziger Gott zulassen, dass Religionen, wie der Islam oder die kath. Kirche Frauen als nicht gleichwertige und gleichberechtigte Menschen behandelt?
PDGPPX sagt:
Wenn Sie meinen, dass die Unmöglichkeit der sakramentalen Weihespendung an Frauen (bestätigt von der Glaubenskongregation, gehört zur Substanz des Sakraments d.h. ist nicht nur disziplinär) “diskriminierend” ist, haben Sie ein klerikalistisches Priesterbild.
Daniel Ric sagt:
Und wie kann es der säkulare Staat Schweiz zulassen, dass Frauen ihr Geld mit Prostitution verdienen müssen, es weltweit Leihmutterschaft gibt, bei dem Frauen ebenfalls ihren Körper verkaufen, und Pädophile nach Thailand oder andere Staaten reisen dürfen, um Jugendliche und Kinder auszubeuten?
Hansjörg sagt:
Guten Tag Herr Ric
1. Die Macht eines Staates ist noch lange nicht mit der Macht von Gott vergleichbar.
2. Die Religionen sollten sich nicht mit den Schlechten messen, sondern vorbildlich und besser sein. Aber Gott drückt wohl ein Auge zu :-))
3. Die pädophilen Reisenden sind wohl zu 99% Männer. In der kath. Kirche besteht die Führung zu 99% aus Männern.
Daniel Ric sagt:
Lieber Hansjörg, Sie haben ja ein sehr hohes Bild von Religion, wenn Sie Gott in Ihrem Leben viel mehr Macht einräumen als dem Staat. Des Weiteren bin ich froh, dass Sie ein vehementer Gegner der Genderideologie sind, wobei Sie mir hier zu radikal sind. In dieser radikalen Form habe ich selten Menschen gesehen, welche so extrem die Haltung vertreten, Männer und Frauen seien nicht gleich, wie Sie dies hier tun. Ich bin hier nicht so extrem. Persönlich glaube ich, dass beide, Männer und Frauen, schlechte Taten und gute Taten vollbringen können.
Josef Jeker sagt:
Danke, Walter! So wichtig.
stadler karl sagt:
Ich glaube nicht, dass jemand ernsthaft zweifelt, dass in heiligen Büchern wie Koran, Altes ode Neues Testament viel Schönes und Positives ujd äusserst Bedenkenswertes zu finden ist. Aber es findet sich in ihnen auch sehr viel Gefährliches. Alle Religionen mit missionarischer Stossrichtung sind in einem gewissen Umfang unheimlich, genauso wie säkulare Bewegungen, welche die Welt auf Biegen und Brechen verbessern wollen. Dazu gehört der Islam genauso wie das Christentum. Die Geschichte ist äusserst reichhaltig an Beispielen. Und auch zeitgenössische Phänomene liessen sich leicht finden.
Daniel Ric sagt:
Ich danke Herrn Ludin für seine schönen Gedanken. Obwohl ich überzeugter Katholik bin, bin ich absolut dagegen, den Islam als eine schlechte Religion darzustellen. Wir alle sind Kinder Gottes und jeder Mensch versucht auf seine Weise, Gottes Willen zu erfüllen. Die Barmherzigkeit ist für mich eines der zentralsten Konzepte. Die Heilige Schwester Faustyna und der Heilige Papst Johannes Paul II. haben der Welt ein riesiges Geschenk gemacht (es war natürlich Gott, der dieses Geschenk machte), indem sie zu Verkündern der Barmherzigkeit Gottes wurden. Der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit bedeutet mir so viel wie Ostern. Wie eine Welt ohne Barmherzigkeit aussieht, erleben wir leider in den vergangenen 200 Jahren sehr deutlich und in den letzten Jahren noch extremer. Ich teile die Auffassung von Herrn Stadler nicht, dass missionarische Bewegungen eine Gefahr darstellen. Eine Gefahr stellt Gleichgültigkeit dar. Wenn heute Menschen Krieg und Waffenlieferungen propagieren, ohne zu bedenken, was dies für Folgen hat, dann ist dies die böse Frucht dieser Gleichgültigkeit. Genauso ist es die böse Frucht der Gleichgültigkeit, wenn man wegschaut, wenn Hunderttausende Menschen, darunter viele Kinder, aus ihrer Heimat vertrieben werden und man ihnen den Zugang zu Nahrung und lebensnotwendigen Medikamenten verweigert. All dieses Leid wird mit einer Ethik gerechtfertigt, die nicht einmal das Talionsprinzip beherzigt, geschweige denn das christliche Gebot der Feindesliebe. Gott sei Dank gab es nach dem zweiten Weltkrieg aufrichtige katholische Staatsmänner, die den Hass überwunden haben und den Frieden zum obersten Ziel der Politik erklärten. Ich glaube, dass der Glaube an die Barmherzigkeit Gottes die Religionen verbindet und die einzige Chance ist, der Welt Frieden und Gerechtigkeit zu schenken.