© Walter Ludin
Walter Ludin

Gebet: wichtig und richtig?

Erhört Gott tatsächlich unsere Gebete? Diese Frage drängt sich auf, wenn wir Jesu Worte im heutigen Evangelium ernst nehmen.

Eine einfache Antwort geben im Internet die katholischen Bibelwerke des deutschen Sprachraums: «Beten hilft! Es kann nur dauern. Für den Evangelisten Lukas ist deshalb Beharrlichkeit wichtig. Wer dranbleibt, wird auch Erfolg haben und seinen Glauben bewahren».

Doch: Ist es wirklich so einfach? Wer die modernere theologische Literatur kennt, hat ganz andere Töne im Ohr. Sie gleichen der Strömung des DEISMUS, einem Kind der Aufklärung. Eine Definition des Deismus lautet:

«Deismus ist im Wesentlichen die Ansicht, dass Gott existiert, aber dass Er nicht direkt in die Welt eingreifen würde. Der Deismus stellt sich Gott als den großen ’Uhrmacher’ vor, der die Uhr erschaffen habe, sie aufziehe und dann loslasse. Ein Deist glaubt, dass Gott die Welt erschaffen hat, sich aber nicht in Seine Schöpfung einmischt.»

Bibelstellen mögen diese Auffassung bestätigen, so zum Beispiel das Wort Jahwes im Buch Jesaja (Jes. 55,9): «So hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.»

Bestimmt besteht die Gefahr, dass wir Gott zu niedlich denken. Es gibt da das unschöne Wort «den lieben Gott einen guten Menschen sein lassen.»
Oder wir behandeln ihn wie einen Getränke-Automaten. Wenn wir genügend Geld einwerfen – in diesem Fall – wenn wir genügend beten, muss das Gewünschte rauskommen.»

Nein, Gott ist unverfügbar. Und er ist gross, eben grösser als unsere Gedanken. Doch gerade seine Grösse spricht dafür, dass wir ihm nicht gleichgültig sind; dass er uns nicht hilflos zappeln lässt.

Ich möchte hier Gott mit einem Patron alter Schule vergleichen. Dieser war nicht wie heute viele Manager an möglichst hohen Dividenden interessiert. Das Wohl der Firma und ebenso jenes der Mitarbeitenden war ihm ein Herzensanliegen. Er kannte jeden und jede von ihnen. Alle hatten jederzeit Zugang zu seinem Büro, um ihre Sorgen vorzutragen.

Seine innere Grösse erlaubte ihm all das. So ist es mit der Grösse Gottes. Der grosse Gott kann auf die Nöte von uns Menschen eingehen, auch wenn wir Milliarden zählen.

Allerdings: Wir haben beim Beten keine Garantie auf Erfolg; jedenfalls erhört Gott oft unsere Gebete auf andere Weise als wir wollten. Vielleicht haben Sie auch schon diese Erfahrung gemacht. Dass Gott uns nicht das gab, das wir wollten, hat sich im Nachhinein als gut für uns erwiesen. Denn er weiss oft besser als wir, was für uns gut ist.

L., um auf unsere Eingangsfrage zurückzukommen: Erhört Gott unsere Gebete? Oder auch grundsätzlich gefragt: Ist es uns modernen Gläubigen überhaupt möglich, ihm unsere Bittgebete vorzutragen? Ja, wir dürfen es, besonders auch, weil Jesus uns dazu ermutigt, im heutigen Evangelium und an vielen andern Stellen.

Aber noch etwas Entscheidendes: Als die Jünger Jesus baten, der grossen Menge zu essen zu geben, entgegnete er: «Gebt Ihr ihnen zu essen.» Im Klartext heisst dies: Was wir selber tun, dürfen wir nicht auf Gott abschieben. Er ist kein Ersatz für unser Nichts-Tun und Passivität.

Hungernden zu essen geben, Fremde gastfreundlich aufnehmen, uns Einsamen zuwenden: Das vertrauensvolle Gebet ist für all das und vieles andere kein Ersatz. Wenn wir dies nicht vergessen, erst dann ist unser Beten und Flehen glaubwürdig.

© Walter Ludin
17. Oktober 2022 | 09:21
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Ein Gedanke zu „Gebet: wichtig und richtig?

  • Ja, ein großer Teil des menschlichen Leides wird durch Menschen verursacht, dennoch, trotz Gebet bleibt die Theodizeefrage
    nach Rahner “Die Unbegreiflichkeit des Leides ein Stück der Unbegreiflichkeit Gottes”.

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