Walter Ludin

Frieden schaffen mit Waffen?

Erschüttert haben wir während des Papstbesuches im Irak Bilder völlig zerstörter Städte gesehen. Dabei wollten die USA – wenigstens haben sie es so gesagt – in diesem Land in den 1990er-Jahren mit Waffen Frieden und Gerechtigkeit schaffen. Der Diktator wurde zwar gestürzt. Doch brach ein Chaos aus, das letztlich zum Entstehen des terroristischen «Islamischen Staates/IS» führte.
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Anfang der 1980er-Jahren haben Fastenopfer und (damals) Brot für Brüder ihre Kampagne unter das Motto «Frieden schaffen ohne Waffen» gestellt. Es entstand, wie man es heute nennen würde, ein Shitstorm mit Aufrufen zum Boykott und dem Vorwurf des Landesverrats.
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«Man» glaubte nicht daran, dass Konflikte sich gewaltfrei lösen lassen. Dies hatte einen sehr langen Hintergrund. Denn: Statt mit der Botschaft Jesu von der Nicht-Gewalt befasste man sich mit der Lehre vom gerechten Krieg.» So schrieb bereits 1973 ein eher unbekannter Autor in der Jesuiten-Zeitschrift Orientierung.
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Der Autor hatte völlig Recht. Die Geschichte zeigte allerdings, dass er sich gewaltig irrte, wenn er schrieb: «Kann die spirituelle Gewaltlosigkeit zum Instrument der politischen und ökonomischen Befreiung der entrechteten und ausgebeuteten Menschen werden? Ich sage: Nein.» Und weiter: «Die Weltrevolution der Gewaltlosen wird es nie geben.»
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Und dann kam in der DDR das Jahr 1989. Eine der mächtigsten Armeen der Welt gab sich geschlagen. Wie einer der DDR-Gewaltigen später sagte: «Die Machthaber hatten mit allem gerechnet, nur nicht mit Menschenmassen, die betend, mit Kerzen in den Händen durch die Strassen zogen.»
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Leider ist die Erinnerung an die gewaltfreie Revolution im Osten Europas weitgehend verblasst. Immer noch, gerade in der Schweiz, lautet der Mainstream: «Frieden schaffen mit Waffen.» Und man ist bereit, dafür jedes Jahr Milliarden auszugeben, auch wenn weit und breit kein ernsthafter Feind zu sehen ist. Oder wie gespottet wird: «Unser Land ist von Freunden umzingelt.»
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Es scheint mir eine sehr zentrale Aufgabe der Kirchen zu sein, darauf hinzuwirken, dass die Bergpredigt Jesu mit ihrem Aufruf zur Gewaltfreiheit ernster genommen wird.

Darum: Wir bleiben dran.  

Keine Gewalt/Wandbild Leipzig © Walter Ludin
22. März 2021 | 08:40
von Walter Ludin
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