Markus Baumgartner

Franziskanerin Doris ist Braumeisterin

Bierbrauen hat in Klöstern Tradition. Doch Frauen sind in dem Metier heute unterrepräsentiert. Schwester Doris Engelhard ist die Ausnahme. Sie macht das Klosterbier aus Mallersdorf in Bayern und ist wohl die weltweit einzige Bier brauende Nonne. 

Für Schwester Doris Engelhard beginnt ein guter Tag mit einem Gebet. Er endet mit einem guten halben Bier.Früher, da mochte Schwester Doris kein Bier. Geschmack am Gerstensaft hat sie erst durch Gott gefunden, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Dass sie einmal ins Kloster eintreten möchte, das wusste Doris Engelhard bereits mit sechs Jahren. Dass ihr Antlitz dereinst eine Bierflasche ziert, damit hat sie nicht gerechnet. Ganz zu schweigen davon, dass sie als weltweit einzige Bier brauende Nonnebis weit über die Klostermauern hinaus bekannt sein würde. Schwester Doris ist «deutschlandweit und vermutlich auch international», wie sie sagt, die letzte Nonne, die eine Klosterbrauerei leitet.

Herzhaftes Lachen als Markenzeichen

Schon mindestens seit 1623 wird im Kloster Mallersdorf gebraut, wie Urkunden bezeugen – damals noch von den Benediktinermönchen, die das Kloster 1107 gegründet hatten.Für die Schwester vom Orden der Armen Franziskanerinnen ist klar: was sie nicht mag, macht sie nicht. Sie führt die Klosterbrauerei, einen Zweimannbetrieb, nach ihrem Gusto. Sie trinke nicht viel.«Ein Halbes zum Vesper vielleicht». Obwohl die 69-Jährige seit fünf Jahrzehnten in Niederbayern lebt, hat sie die fränkische Mundart ihrer Kindheit bewahrt. Sie lacht herzhaft, sodass ihr Körper fröhlich mitwackelt. Es ist dieses herzhafte Lachen, ihr Markenzeichen, mit dem sie auch auf der Bierflasche abgebildet ist, schreibt das «St. Galler Tagblatt» weiter.

Bier und Gott

Seit über 50 Jahren dreht sich ihr Leben fast ausschliesslich um Bier und Gott. Ein normaler Tag beginnt für sie um halb sechs Uhr morgens mit dem Chorgebet, es sei denn, es ist «Sudtag».Tagwache ist um 4 Uhr. Zwei Sud à je 38 Hektoliter bereitet sie jede Woche zu. Davon verbleibt fast ein Fünftel im Kloster. Für die 500 Schwestern gibt es zu jeder Mahlzeit Bier– «ausser zum Frühstück». Der Tag schliesst um 17.45 Uhr mit dem Sammelrosenkranz, um 18 Uhr Chorgebet, dann Abendessen und um 20 Uhr offizieller Tagesabschluss mit dem Abendgebet.Das Bier taktet ihre Tage und Gott trifft sie nicht nur in der Kirche, ihrem Rückzugsort, an dem sie vorm Handyklingeln sicher ist. «Gott ist überall», sie deutet neben sich auf die Bank ihres mit einem herrlichen Durcheinander möblierten Freisitzes. «Er hockt da neben mir und hört uns zu. Er braucht mich nicht, aber ich brauch’ ihn.»

«Bier ist Frauensache»

Freilich, der Beruf der Braumeisterin sei ungewohnt für eine Frau und speziell für eine Nonne. Dennoch ist Schwester Doris überzeugt: «Bier ist Frauensache». Früher sei die Frau für den Haushalt, für Speis und Trank, zuständig gewesen. Erst als sich das Brauen zum Handwerk mauserte, wurde es zur Männerdomäne. Sie selbst beruft sich auf Katharina von Bora, die einstige Ordensschwester und Ehefrau von Martin Luther. Das «Käthchen» habe dem Reformator jeweils eigenhändig einen Zuber Bier zubereitet. Die Klosterbrauerei Mallersdorf sei in Deutschland die letzte ihrer Art, während es um 1800 noch über tausend davon gab. Die Kleinbrauereien seien aber wieder auf dem Vormarsch – «Gottseidank!».

Herzlich, Markus Baumgartner

Screenshot YouTube
18. Februar 2019 | 22:43
von Markus Baumgartner
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