Es ist nicht mehr wie früher
Auch in der Kirche ist es nicht mehr wie früher. Es gibt immer wieder erschreckende Meldungen über Kirchenaustritte; oder über das leidige Thema «sexueller Missbrauch», das uns allen zum Hals heraushängt. Doch alles Klagen nützt nichts. Wir müssen die Fakten nüchtern zur Kenntnis nehmen – und uns fragen, was wir dagegen tun können. Schon vor einem Vierteljahrhundert stellte sich der von mir verehrte Pastoraltheologe Josef Bommer diese Frage. Er tat dies in einem Vortrag vor versammelten Gremien der Luzern Kirche. Der Titel: «Seelsorge in veränderter Gesellschaft». Von ihm lasse ich mich für diesen Artikel inspirieren.
Was anders wurde
Geändert hat sich zum Beispiel die Auffassung vom kirchlichen Amt, nicht nur – dank Papst Franziskus – vom päpstlichen. Etwas plakativ: Auch Pfarrer und andere Priester sind nicht mehr was sie waren; nämlich starke Autoritäten, die für alles zuständig waren oder zuständig gemacht wurden. Eine persönliche Erinnerung: Als der Vikar uns zuhause besuchte, plauderte er davon, wie er als Kind Kaninchen aufgezogen hatte. Als es Probleme in meinem eigenen «Chüngel»-Stall gab, meinte meine Mutter, ich solle machen, wie es der Vikar gemacht habe …
Dann der so genannte «Pluralismus», die Vielzahl von Stimmen in der Gesellschaft, vor allem auch in den Medien. Nur ein Beispiel: Während es früher nur ein Schweizer Fernsehen gab – und daneben noch ein deutsches zu empfangen war –, kann jeder Haushalt 200 oder mehr Stationen abrufen. In diesem lauten «Geschrei» hat es die Kirche nicht leicht, gehört zu werden.
Verändert hat sich auch das Verhältnis von Kirche und Staat. Kürzlich war zu vernehmen, dass in Uri (und anderswo) die Leiter der staatlichen Schule nicht weiter bereit sind, Zeit für Schulgottesdienste einzuräumen.
Schon angetönt: die zunehmende Distanzierung vieler von der Kirche; auch von solchen, die (noch!) nicht ausgetreten sind. Dies zeigt sich in der Abnahme der Taufen und der kirchlichen Trauungen.
Was tun?
Aus all dem haben wir in der Kirche noch zu wenig Konsequenzen gezogen. Ihr «Betrieb» läuft vielfach wie eh und je. Ich schliesse mich hier ein. Beispielsweise predige auch ich wie schon immer. Statt etwa eine Dialogpredigt zu halten, in welcher die Gläubigen nicht nur Hörende sind.
Nehmen wir die zurückgegangene Zahl von Taufen. Es wurde schon oft gesagt, man solle als Alternative Segensfeiern anbieten, in denen für das neue Leben gedankt wird. Sie wären weniger verbindlich als die Taufe, die ja später problemlos nachgeholt werden kann. Aber wo wird sowas propagiert?
Als Priorität schlägt Josef Bommer die «Gemeindebildung» vor. Mittel wären nach ihm etwa Apéros, die auf einfache Weise Gemeinschaft erfahren lassen – und, wenn sie nach dem Gottesdienst durchgeführt würden, Gelegenheit zum Austausch über die Predigt böten und im Idealfall zum Austausch von Glaubenserfahrungen.
Auch die Bildung von Gruppen trügen zu einer lebendigeren Gemeinschaft bei. Leider ist diese Idee wohl etwas in den Hintergrund getreten. Noch in den 1980er Jahren, als ich unter dem Titel «wir Kirchenträumer» ein Buch über Basisgemeinden/BGs herausgab, konnte ich feststellen, dass ihre Zahl sich etwa alle zwei Jahre verdoppelte. In welcher Pfarrei werden heute noch BGs gefördert?
Bommer schlägt auch vor: «Vorrang der Glaubensverkündigung vor der Liturgie», obwohl ein gut vorbereiteter und durchgeführter Gottesdienst auch zur Vertiefung des Glaubens beiträgt. Und dann: «Vorrang der Erwachsenenbildung vor der Kinderpastoral (Kinder brauchen gläubige Eltern.)».
Es würde zu weit führen, diese Postulate im Einzelnen zu konkretisieren. Nur so wenig: Ein Mittel der Erwachsenenbildung sind kirchliche Medien. Doch statt sie auszubauen, lässt man viele sterben. Umso erfreuter stellt man fest, dass es trotzdem noch Medien wie das vorliegende Heft gibt …
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Hansjoerg sagt:
Die Idee mittels einem Apéro Kirchgänger anzulocken erinnert mich an die Idee mittels eines Zuckergusses den verbrannten Kuchen essbar zu machen.
Wie will die kath. Kirche geschiedene Menschen in Kirchen bringen, wenn sie diesen Menschen gleichzeitig sagt, dass sie permanente Ehebrecher und schwere Sünder sind, nur weil sie eine neue Liebe gefunden haben?
Wie will die kath. Kirche junge Menschen in die Gotteshäuser bringen, wenn sie diese gleichzeitig als schwere Sünder brandmarkt, nur weil sie Sex haben und nicht verheiratet sind?
Wie will die kath. Kirche aktive Frauen und Männer zum Gottesdienst bringen, wenn sie diesen Angst macht und behauptet, dass Masturbation verboten und eine schwere Sünde sei.
Wie will die kath. Kirche junge Paare ohne Kinder, oder gestandene Paare mit Kindern in die Kirche bringen, wenn sie diesen Paaren die Verhütung verbietet und gleichzeitig schwere Sünde vorwirft?
Wie will die kath. Kirche gleichgeschlechtliche Paare in die Messe locken, wenn sie diese Menschen nicht gleichwertig behandelt und das Leben dieser Menschen als schwere Sünde verurteilt?
Somit können alle Menschen der obigen Gruppen nur als Sünder zur Kirche gehen. Wer hat schon Lust, sich Sonntag für Sonntag als Sünder abstempeln zu lassen?
Michael Bamberger sagt:
Schon vor weit über hundert Jahren zeigte Friedrich Nietzsche mit Klarsicht auf, wo der Hund begraben ist:
“Was ehemals bloss krank war, heute ward es unanständig, – es ist unanständig, heute Christ zu sein. […] Selbst bei dem bescheidensten Anspruch auf Rechtschaffenheit muss man heute wissen, dass ein Theologe, ein Priester, ein Papst mit jedem Satz, den er spricht, nicht nur irrt, sondern lügt […] Auch der Priester weiss, so gut es Jedermann weiss, dass es keinen ‚Gott‘ mehr gibt, keinen Sünder, keinen Erlöser, – dass freier Wille, sittliche Weltordnung Lügen sind […]“
Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Kapitel 38: KSA 6, S. 21
SrdjanM sagt:
“… oder über das leidige Thema «sexueller Missbrauch», das uns allen zum Hals heraushängt.”
Vielleicht würde es helfen, den sexuellen Missbrauch in der Kirche nicht mehr in Anführungszeichen zu setzen und als bloss leidig anzuerkennen, und das Problem stattdessen etwas ernster zu nehmen? Es taucht auch nicht mehr in der Liste von Dingen auf, die man anders machen könnte.
Über Unangenehmes und Übel in den eigenen Reihen zu Reden ist vielleicht leidig, es ist aber notwendig. Denn welche Eltern würden ihre Kinder einem Verein anvertrauen, der nicht überzeugend darlegen kann, was es tut, und tun wird, damit sexuelle Übergriffe nicht mehr vorkommen?
So, nur als Hinweis von ausserhalb.
Daniel Ric sagt:
Ich finde die Gedanken von Walter Ludin hier sehr wichtig. Tatsächlich wollen viele Verantwortungsträger in der Katholischen Kirche Schweiz nicht wahrhaben, dass sich die Zeiten verändert haben. Vor allem in der Deutschschweiz hängen wir immer noch am Bild einer Volkskirche, das seit Jahrzehnten überholt ist. Es braucht einen schonungslosen Diskurs zur Frage, wie die Kirche in unseren Breitengraden im 21. Jahrhundert aussehen soll. Die Zukunft der Kirche werden wohl eher kleine Gruppen bilden, die sich ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Ich plädiere dafür, dass man wieder vermehrt die Eucharistie ins Zentrum des Glaubenslebens rückt. Die Feier der Heiligen Messe als Zentrum der kirchlichen Gemeinschaft ist meines Erachtens unersetzbar. Aus diesem Zentrum heraus kann sich dann ein Netzwerk bilden, bei dem sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen und auch andere diakonische Projekte lancieren. Auf jeden Fall sollte man zu einfachen Strukturen zurückgehen und die überdimensionierte Kirche, die seit 50 Jahren aufgebaut wurde, zugunsten einer authentischen Kirche zurückdrängen.
Ilse Sixt sagt:
MÄNNERDOMENE – Leserbrief im Münchner Merkur und im OVB Rosenheim:
Die Institution katholische Kirche ist beratungsresisdent. Seit 1000 Jahren versucht sie, als Männerdomäne zu agieren. In ihrer Gier nach Macht und Besitz hat sie die Schöpfungsordnung Gottes aus den Augen verloren und die Worte Jesu vergessen, der gesagt hat: “Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen.” Petrus war verheiratet und das Oberhaupt der Familie. Diese ist der Ministaat der Gesellschaft, ohne die auch die Institution katholische Kirche nicht überleben kann.
Bei Johannes 8,23 ist zu lesen: “Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!”
Ilse Sixt Oberpframmern – http://www.ilsesixt.de
Christoph sagt:
ich habe diese seite zufällig entdeckt, weil ich nach dem genauen ort der bibel-stelle “Und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen” suchte, der mir in den sinn kam. Schön wär’s. Ich habe die kirche verlassen, nachdem mir bei einer familien-aufstellung noch einmal der priester gegenübertrat, bei dem ich zur Ersten Heiligen Kommunion gegangen bin. Der hat seine schmutzigen finger an mich gelegt. Und von dieser sorte gibt es zehn-, wenn nicht hundert-tausende. Ganze klöster (von Irland weiß ich es, weil meine schwester einen patienten betreut hat, der als neun- oder zehnjähriger nacheinander, zum Osterfest, von einer ganzen schar anal missbraucht wurde). Die katholische kirche ist schwerst infiziert von dem Pädophilen Virus – und wenn sie es nicht schafft, sich davon zu befreien, wird sie völlig zurecht und verdientermaßen untergehen, eben weil sie Christi Wort nicht erfüllt hat. Christi Wahre Kirche ist die russisch- und griechisch-orthdoxe, und es sind die syrische und die armenische, die ältesten und ursprungsnächsten. Sie alle kennen übrigens die priester-ehe.