Walter Ludin

Erinnerungen an Herbert Haag

Herbert Haag ist mir in bester Erinnerung, auch wenn sich unsere Wege nur selten kreuzten. Das letzte Mal, als ich ihn in seinem Leben antraf, war auf dem Bahnhof Sursee, wo ihn sein Freund Hans Küng vom Zug abholte. Es war sehr berührend, die beiden grossen Theologen zu grüssen.

Vortrag über den Teufel

Solothurn: Ich sehe Professor Haag erstmals, als er im Theologiestudium von uns Kapuzinern in Solothurn eine Gastvorlesung hielt. Nicht selbstverständlich, dass der berühmte Mann, der kurz vorher sein Buch mit seinem Buch «Abschied vom Teufel» veröffentlicht hatte, in unserem kleinen Ordensstudium auftrat!

Selbstverständlich sprach Haag über die Teufelsproblematik. Der Erfolg war nicht durchschlagend. Am nächsten Sonntag predigt ein Mitbruder über den immer noch sehr aktiven Teufel ….

Teuflische Klimaanlagen

Jerusalem: Ein Mitbruder nimmt an einer Heilig-Land-Fahrt unter Haags Leitung teil. Der Reiseleiter kommt auf die allgegenwärtigen Hotel-Klimaanlagen zu sprechen: «Diese Anlagen wurden vom Teufel erfunden. Aber es soll ja einen geben, der behauptet, es gäbe den Teufel nicht …»

«Lassen wir die Frage im Raum stehen»

Luzern: Herbert Haag hält einen sehr gut besuchten Vortrag. Während der Diskussion meldet sich ein extra aus Fribourg angereister Rechtskatholik mit einer Frage, die eher ein grober Vorwurf ist. Der Referent lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: «Danke für diese Frage. Lassen wir sie im Raum stehen! Hat jemand eine andere Frage.

Ich werde diese Reaktion nie vergessen. Übrigens: Im Foyer des Veranstaltungsortes begegne ich dem unflätigen Fragesteller und seinen Kumpeln. Ich kann der (teuflischen???) Versuchung nicht widerstehen und stelle mich ihnen vor. Ihre charmante Antwort: «Eigentlich dürften wir Sie nicht grüssen. Paulus schrieb ja: ›Grüsst keine Ungläubigen, sonst nimmt ihr Teil an ihren bösen Werken’.»


Hans Küng und Herbert Haag © zvg

Grab mit verdorrten Blumen

Luzern: Verleihung des Herbert Haag-Preises vor einigen Jahren. Sieben oder acht Vertreter der Kirchenvolksbegehren/Wir sind Kirche aus Deutschland und Österreich sind anwesend. Da ich die meisten persönlich kenne, lade ich sie nach der Feier ins Restaurant Rebstock unterhalb der Hofkirche zu einem Bier ein.

Jemand fragt: «Wo ist denn Herbert Haag begraben?» Ich erkläre, dass sein Grab kaum 100 Meter entfernt sich auf dem Hof-Friedhof befindet. Obwohl es schon recht spät ist, gehen wir dorthin. Allgemeines Entsetzen: Bloss ein kleiner, völlig verdorrter Blumenstrauss liegt auf dem Grab. Am folgenden Morgen kauft einer der ausländischen Gäste einen schönen Strauss für Herbert Haag.

Das Grab von Herbert Haag hinter der Luzerner Hofkirche © Walter Ludin
12. Oktober 2021 | 11:45
von Walter Ludin
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