Eine bewegte Woche
Letzte Woche lief bei mir einiges: Ich unterzeichnete mit acht weitern «franziskanischen Menschen» einen Offenen Brief an den Papst und musste ihn am Sonntag am Radio in einem Interview erklären. Sodann war ich zwei Mal in Genf: am Mittwoch im Menschenrechtsrat der UNO. Am Samstag feierten wir das 30jährige Bestehen der NOG Franciscans International, die sich bei der UNO für Menschenrechte einsetzt. Und schon am Freitag nahm ich in Luzern an der Klima-Demo teil.
Hier dazu nicht viele Worte, sondern Links und Bilder:
An den «brüderlichen Bischof von Rom»
In unserem Offenen Brief an Papst Franziskus ermutigen wir ihn, an seinem «geschwisterlichen» Kurs festzuhalten. Und bitten ihn um die Abschaffung des Pflichtzölibats.
Radio-Interview zu diesem Thema.
30 Jahre franziskanischer Kampf für Menschenrechte
Vor 30 Jahren nahm in New York eine franziskanische NGO ihre Arbeit auf. Darauf hatte mein Freund Andreas Müller, damals Leiter der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn, die Idee, auch in Genf im Rahmen dieser Nichtregierungs-Organisation zu arbeiten. Er rief etwa anderthalb Dutzend Brüder und Schwestern nach Rom zu einer Konsultation ein. Ich durfte die Schweiz vertreten.
Jubiläum FI | © Walter Ludin Opposition gegen die Idee kam von den italienischen Kapuzinern: «Unser Platz ist nicht bei den Mächtigen, sondern unter dem Kreuz.» Unsere Antwort: Bei den Mächtigen müssen wir den Menschen, die gekreuzigt werden, eine Stimme geben. So kam es auch. Hier der Link zu meinem Medienbericht über das Jubiläum.
Klima-Demo
In Luzern waren wir fast 2000 Demonstrierende: Vor allem Jugendliche, aber auch viele Erwachsene, darunter auch «Grosseltern fürs Klima».
Dazu genügt hier ein Bild.
Klima-grosseltern | © Walter Ludin Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.




Karl Stadler sagt:
Es ist zu sehr begrüssen, dass sich die Menschen von der Strasse, insbesondere auch die Jugendlichen, der Klimaproblematik annehmen und dass dies, zumindest im Westen, international geschieht. Bloss erfordert es wahrscheinlich radikale Reformen an Verhaltensweisen, auch im persönlichen und privaten Bereich. Da könnte wahrscheinlich noch einiges an sehr einschränkenden Umstellungen auf uns zukommen. Eine neue Lesart des Begriffs der “Freiheit” ist endlich anngesagt.
Eine Reise nach Genf zum UNO-Menschenrechtsrat? An sich ein UN-Gremium, das gewiss notwendig ist und eine äussert wichtige Funktion innerhalb der Vereinten Nationen wahrzunehmen hätte. Doch die Bilanz in der gut zehnjährigen Geschichte dieser Institution lässt riesige Zweifel an dessen Glaubwürdigkeit aufkommen. Ein Gremium, das sich über weite Strecken politisch für partikulare Interessen instrumentalisieren liess und lässt und teilweise eine markant antisemitische Stossrichtung aufwies. Jedenfalls wäre man schlecht beraten – trotz der Haltung der EU und der europäischen Staaten zu diesem Gremium – sich in der Menschenrechtsthematik schwergewichtig vom UNO-Menschenrechtsrat leiten zu lassen.
Karl Stadler sagt:
Ich finde es übrigens sehr gut, Walter, dass Sie sich auch an einer Veranstaltung wie der Klima-Demonstration engagieren. Als Aussenstehender, der nicht immer Freude hat, wenn sich die Kirchen in politische Detailfragen einmischen, derzeit ja hierzulande ein aktuelles Thema, stimme ich der Theologenschaft vorbehaltlos zu, dass die Klimadebatte nebst vielen andern ein Thema ist, wo die Kirchen unbedingt auch ihre Stimmen erheben sollen. Hier geht es doch um Grundfragen menschlichen Daseins, aber auch nicht zuletzt um Fragen des Daseins der übrigen Natur, ganz ausserhalb anthropozentrischer Sichtweise.
Es ist mir letzthin wieder ein Buch in die Hände gekommen, das sich vor vielen Jahren einmal studierte: Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Es wurde zu einer Zeit publiziert, als die ökologische Debatte politisch noch nicht im eigentlichen Sinne so virulent war wie heute, wo es aber durchaus bereits ernst zu nehmende fragende Stimmen gab, wie der Mensch sich in die Natur einfügen soll. Das Buch von Jonas ist ein Werk, dass natürlich nicht nur aussschliesslich auf die ökologische Frage Anwendung findet, aber durchaus im Hinblick auf die Klimadebatte grosse Aktualität aufweist. Natürlich handlelt er philosophisch schwierige Fragen ab, beispielsweise den Zweckbegriff, dessen Beziehung zum Naturgeschehen oder auch die ethische Problemstellung des Verhältnisses von Sein und Sollen. Aber es erweist sich die Lektüre, das ist meine persönliche Überzeugung, als sehr fruchtbar, gerade heute, wo in diesem Fragenkomplex inzwischen seit der Veröffentlichung des buches der Fortschrift der Wissenschaft erheblich gediehen, der Erkenntnisstand der einschlägigen Naturzusammenhänge und der globalen Auswirkungen der technischen Zivilisation viel weiter fortgeschritten ist. Übrigens auch Publikationen von Georg Pricht, z.B. “Hier und Jetzt” oder “Das richtige Mass finden”, auch anfangs der achziger Jahre erschienen, erweisen sich in diesem Kontext als äusserst fruchtbar. In den neunziger Jahren setzte im Bereich der philosophischen Ethik dann ja eine eigentliche inflationäre Flut von Publikationen zum Thema Ökologie ein und das Thema wurde erst eigentlich langsam richtig politisch virulent.
Aber wahrscheinlich ist Ihnen in Ihrer Jugend auch dasselbe widerfahren: In der Elterngeneration, welche die heute ca. 70-jährigen in den 50er und 60er Jahren grosss gezogen hatte, gab es sehr viele ganz einfache Leute, die krampften, das Notwendige und Wesentliche vom Nicht-Notwendigen zu unterscheiden wussten, unserer Generation versuchten, den Begriff “Bescheidung” nahe zu bringen und dennoch uns in unserer Entfaltung nicht eigentlich beschnitten. War es nicht ein notwendiger Gegenpol zur Propaganda und Werbung, die versuchte, damals immer mehr uns Junge mit Vorstellungen einzulullen, was denn das Glück des Lebens ausmachen würde? Leider ist es uns halt nicht so richtig gelungen, immer kritischen Abstand zu solchen Beeinflussungsversuchen zu halten. Nein, verklären will ich diese Generation gewiss auch nicht. Aber sie stand der Wahrheit gewiss nicht ferner als wir!