Karin Reinmüller

«Die wollen nur jubeln!»

Es geht auf Ostern zu, und ein Bekannter von mir hat neulich seine Beobachtungen von Teilnehmerzahlen an den einschlägigen Gottesdiensten mit mir geteilt: Palmsonntag ist beliebt, Gründonnerstag weniger, an Karfreitag kommen bevorzugt Musik-LiebhaberInnen, und Ostern sind zum Glück alle da. Oder, kurz gesagt: «Die Leute wollen nur jubeln!»

Das verlangt natürlich eine gewisse Frustrationstoleranz von den Vorbereitenden, die ich mir in diesem Jahr erarbeiten darf – gehöre ich doch zu den Menschen, die Ostern am liebsten mit Event-Charakter feiern: Zusammen mit möglichst vielen anderen bei einem der zahlreichen Angebote, die meist von Gründonnerstag bis Sonntag Menschen zusammenbringen, die an den Tagen ihre geistlichen Batterien aufladen. So etwas lieben «spirituelle Wanderer» (vielen Dank an meine Pastoraltheologie-Professorin für diesen Begriff!), und die Gottesdienste sind da meist lang und gut besucht.

Abseits solcher Höhenflüge sitze ich dieses Jahr also in den Niederungen derer, die anscheinend nur jubeln wollen. Wobei mir noch keine untergekommen ist, deren Leben nur aus Jubel besteht. Und vor allem: Wenn ich mir die Teilnehmerzahlen beim Original-Event ansehe, das wir in dieser Woche sozusagen um 2000 Jahre zeitversetzt nach-begehen, stelle ich fest: An Palmsonntag waren jede Menge Leute da. Die Teilnehmenden an der Essenseinladung am Donnerstag passten in einen (vermutlich nicht riesigen) Saal. Und die Kreuzigung am Freitag war ausgesprochen schlecht besucht – nicht mal Petrus war dabei. Als dann jedoch der Auferstandene auftauchte, erschien er, wie Paulus schreibt, über 500 Männern (Frauen zählten da nicht) gleichzeitig¹, da waren offensichtlich alle wieder dabei!

Mit anderen Worten: Die Menschen verhalten sich heute nicht anders als vor 2000 Jahren. Menschlich halt. Und wir jubeln alle lieber – nur noch eine Woche bist Ostern!

¹ 1. Korintherbrief, Kap. 15, V. 6)

 

Bild: pexels.com, CC0-Lizenz
9. April 2017 | 18:49
von Karin Reinmüller
Lesezeit : ca. 1  Min.
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