Die Nummer 00
Nun geht es also los mit der neuen SKZ: In dieser Woche erhalten alle bisherigen Abonnenten/innen der Schweizerischen Kirchenzeitung nicht nur die letzte Ausgabe im bisherigen Format mit der Nummer 51-52/2017, sondern auch schon die Nullnummer 00/2018 im neuen nun zweiwöchig erscheinenden, das wie schon von der DOK mitgeteilt nicht mehr von einem/r Einzelredaktor/in, sondern von einer dreiköpfigen (rein weiblichen) Redaktion verantwortet wird. Der hier Schreibende amtet ab dieser Nummer als Präsident der Redaktionskommission und nimmt diese ihm von den Deutschschweizer Bischöfen übertragene ehrenvolle Aufgabe in seinen Ruhestand in den Tessin mit. Die Grundideen, die hinter der «neuen SKZ» stecken und die von einer kompetent zusammengesetzten Steuerungsgruppe erarbeitet wurden, sind die folgenden:
Wir wollen überleben, indem wir unsere Sprache und das Ausmass der Artikel bewusst auf den sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert habenden neuen Typus des/der Pfarreiseelsorgers/in der Deutschschweiz anpassen, ohne den wissenschaftlich-theologischen Anspruch zu verraten.
Wir wollen überleben, indem wir interessanter und kontroverser werden, indem wir die Meinungsvielfalt in der katholischen Kirchenlandschaft der Deutschschweiz abbilden und uns an relevanten öffentlichen innerkirchlichen Diskussionen beteiligen, ohne uns in die Abgründe von Boulevard und Polemik zu begeben.
Wir wollen überleben, indem unsere Leserschaft uns aus den beiden oben aufgeführten Gründen als unentbehrlich und wichtig empfindet.
Was für ein Anspruch! Was für eine Herausforderung! Wir können reüssieren und wir können eine Bruchlandung erleiden. Ich bin gespannt und hoffe, dass mein Ruhestand noch lange von der SKZ bereichert wird.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.




Karl Stadler sagt:
Viele Kontroversen, viele streitbare Beiträge und fruchtbare Diskussionen und gerade auch deswegen viele geistige Bereicherungen und letztlich gegenseitige Wertschätzung sind der SKZ zu wünschen. Es muss ja nicht gerade zugehen wie am Konzil zu Ephesos anno 431, als die Bischöfe Cyrill von Alexandrien und Johannes von Antiochia mit je starken Helfergruppen eintrafen, sich teilweise als Vertreter der platonisch-akademischen, bzw. der aristotelisch-peripatetischen Tradition hinsichtlich der Schriftexegese verstanden und darob theologische Differenzen mehr brachial als argumentativ, unter gegenseitiger Exkommunikation, ausfochten, derart, dass Theodosius II sich kurzerhand veranlasst sah, die hitzigsten Meinungsführer präventiv unter Arrest zu stellen.
Stadler Karl sagt:
Bekanntlich gestaltet sich der Weihnachtsempfang von Bergoglio, auch wenn das im offiziellen Protokoll wahrscheinlich nicht so vorgesehen ist, immer auch als “Rede zum Fenster hinaus”, ähnlich wie zumeist in den Parlamenten. Als offizielle Adressaten gelten zwar die vor dem Redner versammelten Personen. Nicht weniger, oder gar als eigentliches Zielpublikum fungieren die Leute ausserhalb des offiziellen Anlasses, die Menschen auf der Strasse. Auch dieses Jahr äussert sich Franziskus zum Teil wieder in einer allegorischen Sprechweise – “Servus servorum Dei”; “das Bild vom Leib und dessen Sinnesorganen”; Sendeantenne und Empfangsantenne” usw. – die sehr wohl erkennen lässt, wer mit seiner Kritik und seinen Ermahnungen gemeint sein könnte und wer diese Äusserungen ohne Zwang auf sich ummünzen darf. Jedenfalls nicht ausschliesslich die Kurie, wie die Medien heute weismachen wollen. Eigentlich kommt es ja nicht ganz unzutreffend herüber, was er da einem ins Gewissen redet, “…eine fragwürdige Mentalität an den Tag legen…die zur Selbstbezogenheit führt…sich als unverstandenes Opfer der rasanten Veränderungen fühlen anstatt im Gedenken von “Mea culpa” sich dann und wann an die eigene Brust zu klopfen…”.
Dennoch will einem scheinen, dass eine etwas überzogene Strenge aus den Worten von Franziskus spricht. Eine ständige Herausfordereung, nein, Überforderrung, die da vom Pontifex an die Menschen herangetragen wird. Fast mutet es so an, als spreche Epiktet oder dessen Vorbild Chrysippos, die von ihrern Hörerinnen und Hörern auch regelmässig das Streben nach strenger Tugendhaftigkeit einforderten.
Für einen einfachen Menschen gestaltet sich ein Weihnachtstreffen an einem Stammtisch weniger fordernd, ja erholsamer. An solchen Orten gehört es in der Regel auch zu den propädeutischen Zulassungsbedingungen, sich der je eigenen Defizite bewusst zu sein. Aber letztlich vermag jede und jeder doch einigermassen zu bestehen.
Karl Stadler sagt:
Diese Ansprache vor der Kurie “zum Fenster hinaus”, wie jeweils in vielen Parlamenten, anlässlich des Weihnachtsempfangs, in der Bergoglio eingangs mit der Thematisierung des “diakonalen Primats” überdeutlich in Erinnerung ruft, wer der Chef ist im Vatikan, um fortsetzend die kurialen Mitarbeiter zu ermahnen, was die eigentlich Bedetung und die Funktion ihrer Tätigkeit ist, um schliesslich öffentlich mit dem Hammer einigen Mitgliedern auszuteilen.
Kurt Koch beschwichtigt: “Es herrsche kein Machtkampf.” Gerhard Müller seinerseits sagte im Oktober, es herrsche im Vatikan ein Klima der Angst.
Franziskus beziehht sich derweil auf gewisse kuriale ehemalige Mitglieder, die sich als Martyrer fühen würden, nach dem “sie sanft entfernt wurden”, statt in sich zu gehen. Gerhard Müller seinerseits sagte im letzten Sommer, dass er zu Bergoglio immer ein gutes Verhältnis pflegte, jedoch erst einen Tag vor Ablauf seiner Amtszeit von Franziskus mitgeteilt bekam, dass eine weitere Amtszeit mit ihm nicht mehr erwünscht sei.
Und manches von dieser Schelte liesse sich, besonders aufgrund der teilweise allegorischen Ausdrucksweise, auch auf die gewöhnlichen Leute ummünzen!
Da soll einer noch nachkommen?