Kirchenbänke
Tobias Grimbacher

Die Kirche und wir

Das erste, was Jesus öffentlich sagt, ist «Kehrt um und glaubt an die Frohe Botschaft» (Mk 1,15). In seinem weiteren Leben zeigt er, welche Botschaft er meint. Er besucht Menschen, tröstet, heilt. Er hilft Menschen, alle ihre Mitmenschen wahrzunehmen und sich auf sie neu einzulassen. Die Machthaber und Rechthaber weist er auf ihre Vorurteile und auf verlogene, manchmal nur unreflektierte Denk- und Handlungsmuster hin. Er nimmt alle ernst und lebt vor, dass alle wichtig sind. An dieser Botschaft und dem Handeln Jesu müssen wir uns immer wieder messen (lassen), wenn wir seine Kirche sind.

Ich habe gerade meine zweite Amtszeit als Mitglieder des Synodalrats der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich begonnen. Als Synodalrat übernehmen wir den Auftrag, die Voraussetzungen für die Entfaltung des kirchlichen Lebens zu schaffen und für Gemeinschaft und Gleichberechtigung einzutreten. In diesem Blog möchte ich jeden Monat ein paar Gedanken aus der Synodalratswirklichkeit weitergeben. In Begegnungen und an Veranstaltungen merke ich oft, dass wir auf vielfache Weise tatsächlich ein Stück vom Reich Gottes erfahrbar machen. Wir, das sind Kantonalkirche und Dienststellen, kirchennahe Institutionen und Kirchgemeinden, Generalvikariat und Bistum – und vor allem, ganz konkret immer Menschen, die Engagement und Gemeinschaft suchen und finden. Gelegentlich müssen wir darauf hinweisen, dass wir gewählten Synodalratsmitglieder als getaufte und gefirmte Christenmenschen, die ausserdem gebildet und lebenserfahren sind, natürlich für die Kirche mitdenken, mitreden und mitentscheiden müssen – dass wir zurecht für die Kirche stehen. Umgekehrt nimmt die Pastorale Seite mit gut ausgebildeten, erfahrenen und teils ordinierten Theologinnen und Theologen eine immense Verantwortung für den kirchlichen Auftrag wahr, und erwartet dafür zurecht jede Unterstützung von uns.

Kirche als Frohe Botschaft kann mit Gottes Hilfe nur da gelingen, wo alle ernst genommen und berücksichtigt werden, mit unserer je eigenen Unterschiedlichkeit und unserer grundsätzlichen Gleichwertigkeit. Wie diese Kirche tatsächlich erfahrbar ist, davon möchte ich in den weiteren Einträgen dieses Blogs berichten.

Kirchenbänke | © 2023 pixabay CC0 Public Domain
16. August 2023 | 15:39
von Tobias Grimbacher
Lesezeit : ca. 1  Min.
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3 Gedanken zu „Die Kirche und wir“

  • Michael Bamberger sagt:

    Meinen Sie jenen Jesus?…

    “Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern, dazu auch sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein.” (Mt 10,37; Lk 18,29; 1Kor 7,29)

  • Hansjoerg sagt:

    Sie schreiben von unserer eigenen Unterschiedlichkeit und unserer grundsätzlichen Gleichwertigkeit.
    Sind den Frauen, und somit mehr als 50% der Angehörigen der kath. Kirche innerhalb dieser Kirche wirklich Gleichwertig und Gleichberechtigt?

  • Michael sagt:

    “Die Machthaber und Rechthaber weist er auf ihre Vorurteile und auf verlogene, manchmal nur unreflektierte Denk- und Handlungsmuster hin.”
    Dazu gehört auch –um es biblisch auszudrücken– die Machthaber und Rechtehaber in den kirchlichen autoritären Strukturen auf ihre Vorurteile und auf verlogene, manchmal nur unreflektierte Denk- und Handlungsmuster hinzuweisen und ihnen die Leviten zu lesen, das heißt, dringend Änderungen einzufordern.

    “Kirche als Frohe Botschaft kann mit Gottes Hilfe nur da gelingen, wo alle ernst genommen und berücksichtigt werden, …”
    Wann endlich erachten es die Entscheider in der Kirche für angebracht, die Menschenrechte einzuhalten, und Frauen gleiche Rechte einzuräumen, homosexuelles Leben nicht zu diskriminieren (oder gar zu verteufeln!), wiederverheiratete Geschiedene ernst zu nehmen, …?

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