Hans Leu

Die amerik. Szene 2017/45 im ggw Welt-Theater.

Was wir am 20.01.2017 in Washington gesehen haben – ist das ein Stolpern ueber Tradition oder eine moderne Verkoerperung des Geistes Gottes ??? oder eine provokative Farce im Welt-Macht-Spiel ???
Vorerst eine Uebersicht:

In der Hierarchie der menschengemachten «Hoeheren Maechte" ist das Regelwerk «Staatliche Verfassung»
hoch eingestuft. Das grossartige Schauspiel der Amts-Einsetzung des neuen USA-Praesidenten D.J. Trump hat diese Einstufung bestaetigt. In diese saekulare " Hoehere Macht» ist auch die Religion vielfach einge- bunden. Religion – als hoechstes Kulturgut, das die Menschheit je produziert hat – in ein saekulares Welt-Theater einzupflanzen, das ist anstaendig, d.h. es gehoert sich.
Diese Einbettung hat uns folgende Szenen geboten:

Vorerst: «man geht zum Gottesdienst in die Kirche».
Zum Ereignis selbst kommt das Gebet: Der Kardinal ruft die Weisheit an; der Pastor liest die Bergpredigt, die Pastorin betet ernsthaft, der Choral betet doppelt.
Der Eid basiert auf dem Wort Gottes (Bibel) und auf der Bitte «so wahr mir Gott hilft»
Die Ansprache beruft sich auf den Allmaechtigen und Protector.
Das Ritual endet mit einem vier-fachen Segen.
Am folgenden «Great Lunch» : Tischgebet…  Geschenke…  Toast…  Tischgebet !

Die grossartig gebotene Szene ist trotzdem frag-wuerdig:

1.) Wird das christl. religioese Kulturgut in der Einbettung pervertiert, missbraucht oder respektiert.???
Was wir vorgefuehrt bekommen ist ein Ritual. Die Persoenen sind auswechselbare Statisten. Ihr persoenlicher Glaube (falls vorhanden) ist hoechstens in seiner Toleranz gefordert (wer’s  ertraegt, kann’s durchstehen).
D.J. Trump hat das Ritual provokativ genutzt, Melania hat es markant bescheiden durchgestanden. Es scheint, dass dieses Ritual auch 2017 noch von einer grossen Mehrheit respektiert wird.
2.) Was ist die Signal-Wirkung des Rituals auf die Zuschauer / Zuhoerer ? Das Ereignis gibt bekannt, dass die «Hoehere Macht» (nolens volens) installiert gueltig ist und d.h. respektiert werden muss. Also eine alte Auf-forderung zum Staats-Gehorsam.
3. Ist dieses alte christl. Ritual mit dem christl. Glauben von 2017 vereinbar? Es scheint so: der Kardinal macht mit, der Vatikan gratuliert, die Christen klatschen.
4. Wie verhaelt sich dieses Ritual zur praktizierten Politik? Wenn auf die Bibel geschworen wird, hat dann die Bibel ein Anspruchs-Recht die Politik mitzubestimmen? Warum denn die mt. Bergpredigt vorlesen , die Weisheit anrufen, juedisch beten? Wenn der Eid-Traeger den Allmaechtigen als Protektor Amerikas sieht…
was bedeutet das fuer die praktische Politik?
5. Nach dem Ritual und dem sehr fragwuerdigen «Wir sind das Volk» in der Abstimmung / Wahl, kommt nun
das «alle Macht dem Volk» (fuer CH-Demokraten ein vertrautes Lied). Und dieses Volk «Amerika» wird nun
im weltweiten Interessen-Konflikt als prioritaer deklariert.  Alles Uebel in Amerika wird ausgerottet, alles Gute in Amerika wird geschuetzt. Die Einheit wird fokussiert auf ein spezifisches Wir. Ist Amerika nun wieder «unabhaengig» oder «eine Kraft im Spiel der Kraefte» in gegenseitiger Abhaengigkeit?

Trumps verbale Provokation ist zeitgemaess; seine Taten stehen noch aus…  Melania’s Bescheidenheit ist verdaechtig, ihr eigener Beitrag wird erwartet. Und die Religion muss ihr eigenes Wirk-Zentrum finden.

22. Januar 2017 | 12:19
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 2  Min.
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