Das Wohl der Tiere
Wer sich für das Wohl der Tiere einsetzt, hat es auch heute nicht leicht. «Tierschützer» galt als Schimpfwort – sicher auch, weil einige von ihnen kaum von einer fanatischen Sekte zu unterscheiden war. Es gab auch unter Wohlgesinnten Ablehnung. Ich erinnere mich: Als ich vor Jahren – am Tag des Franziskusfestes (!) von einer Tierschutzorganisation um eine Spende angegangen wurde, meine ein Freund, mit dem ich unterwegs war: «Meine Priorität sind die Menschenrechte …»
Zwei kirchliche Organisationen
Immerhin: Nicht zuletzt dank dem bewundernswerten Engagement von kirchlichen oder kirchennahen Vereinigungen haben in zwischen viele entdeckt: Wer von der «Bewahrung der Schöpfung» spricht, sollte dabei unbedingt auch an das Wohl der Tiere denken. Ich nenne hier nur zwei Organisationen:
- AKUT/Aktion Kirche und Tiere. (Und ich bin stolz darauf, dass sie von meinen Kapuziner-Mitbruder Anton Rotzer 2004 als Verein gegründet wurde.)
- oeku/Kirchen für die Umwelt. Nicht zuletzt dank der von offiziellen Kirchen unterstützte «Schöpfungszeit wirkt sie in die Pfarreien und Kirchgemeinden hinein. (Auch hier bin ich ein bisschen stolz. Mitte der 1980er-Jahre schlugen die evangelische Kirche der Schweiz eine ökumenische Stelle für den Schutz der Schöpfung vor. Eine Arbeitsgruppe von vier Reformierten und vier Katholiken musste über den Vorschlag diskutieren. In diesem Rahm setzte ich mich vehement für die Gründung einer solchen Stelle ein -und war dann fast ein Jahrzehnt im Vorstand der oeku.)
Die Würde des Tieres
Obwohl ich oeku (von innen…) besser kenne, beschränke ich mir hier auf Stellen denen Akut sich vorstellt. Auf der Website www.akut-ch.ch lese ich: «AKUT engagiert sich dafür, dass das Tier auch in der Kirche jene Würde bekommt, die ihm von der Bibel her zukommt: es ist aus dem gleichen Stoff wieder Mensch gebildet und vom gleichen Odem angehaucht; es steht dem Menschen zur Seite, um ein stückweit seine Einsamkeit bewältigen zu helfen; es steht unter dem gleichen biologischen Gesetz der Todesverfallenheit und Endlichkeit … Deswegen sagt ein Vatikanisches Dokument aus dem Jahre 2004, dass auch das Tier in die Wiederherstellung der zerstörten Harmonie der Schöpfung mit einzubeziehen sei.»
Was AKUT will
– Wir fordern und fördern die Achtung der Würde des Tieres in Kirche und Gesellschaft.
– Wir geben Impulse für einen achtsameren und gerechteren Umgang mit Tieren.
– Wir regen Menschen an, ihre Einstellung und ihr Verhalten gegenüber Tieren zu überdenk.
Sicher, wer sich mit AKUT auf ihrer Website und in andern Publikationen näher befasst, mag zur einen oder andern Formulierung ein Fragezeichen setzen. Trotzdem: Gäbe es AKUT nicht, müsste so etwas dringend geschaffen werden.
PS. Der als Fachmann anerkannte Menschenrechtsprofessor Peter Kirchschläger hielt letzte Woch an der UNI Luzern eine öffentliche Vorlesung über Tierrechte. So ist das Thema auch in der Wissenschaft angekommen.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.




Michael Bamberger sagt:
Wenn hier vom Wohl der Tiere die Rede ist, kommen die Gottesgläubigen kaum um folgendes Dilemma herum:
Kein allgütiger, allmächtiger und allwissender Gott plant und initiiert eine Schöpfung, in der er seine Geschöpfe ohne Unterlass der Maxime des Fressens und Gefressen-werdens über Abermillionen von Jahren ausliefert und die Tiere deshalb ständig unsäglichen Terror, Angst und Qualen erdulden müssen. Jeder halbwegs allgütige Gott verwirft einen derartigen Plan illico presto, denn seine Allmacht bietet ihm unzählige Alternativen.
So gesehen scheint die einzige Entschuldigung für einen solchen Gott seine Inexistenz zu sein.
Carmen Kurt sagt:
Ja, Gott möchte, dass es Seiner Schöpfung und Seinen Tieren gut geht. Er hat den Menschen beides anvertraut. Leider ist der Mensch in seiner Sünde gefangen, bis er das Erlösungswerk von Jesus Christus erkennt und annimmt. Somit ist unser Gebet für das Wohl der Tiere immer auch ein Gebet um Erweckung.Er sende Seinen Heiligen Geist, überführe die Menschen von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht.
Herzliche Grüsse von Carmen Kurt
stadler karl sagt:
Aber ein anständiger Umgang mit Tieren als ethisches Gebot galt früher schon nicht als fremd, nicht erst, seit es Tierschutzorganisationen gibt. Politisch und gesellschaftlich aktuell wurde die Thematik eigentlich erst, als in der Nachkriegszeit die industrielle Fleischproduktion so richtig aufkam und die Tierhaltung und der Umgang mit Tieren – z.B. Transporte etc. – ausschliesslich sich an ökonomischen Kriterien zu orientieren begann, was ja teilweise wirklich sehr schlimm ist. Als ich als Bube und Jugendlicher während mehrerer Sommer Alpknecht war, mussten die Kühe zum Melken und bei sehr schlechtem Wetter auch über Nacht gestallt werden. Der damalige Stall würde den heutigen Tierschutzvorschriften bezüglich Tierstände, Lichteinfall oder Krippenhöhe etc. den heutigen Vorschriften nicht mehr entsprechen. Dennoch: Der Meister hatte zu seinen Tieren, obwohl diese Nutztiere waren, eine sehr vertraute Beziehung und er war sehr darauf bedacht, dass auch andere in seinem Betrieb einen anständigen Umgang pflegten, z.B. beim Viehtreiben. Diesbezüglich konnte er recht barsch werden. Auch die Alpschweine wurden nicht ausschliesslich auf engem Raum gehalten und hatten ihren Auslauf, wo sie an manchen Orten richtig suhlen konnten.
Bei einem Nachbarälpler arbeitete jeweils ein älterer, alleinstehender Mann, ebenfalls als Hilfskraft. Er schaute gerne ein bisschen ins Schnapsglas und galt ein wenig als randständig. Wenn er nicht unbedingt musste, stieg er gewiss nicht gerne weit in stotzigen Alpweiden hinauf, um das Vieh zu holen. Wenn wir uns am Morgen manchmal sahen, um das Vieh zum Melken zu holen, beeindruckte er mich immer, wie er es verstand, mit seinen Lockrufen das Vieh zum Stall zu bringen. Er hatte einen ganz ihm eigenen Lockruf und wenn das Vieh weiter entfernt weidete, begann es jeweils zu ihm hinzuschauen. “Kommt endlich, oder muss ich euch eine Postkarte schreiben”,rief er dann, was mich immer zum Lachen animierte. Aber schliesslich kamen sie zu ihm, ohne dass er sich gross anstrengen musste, zu ihnen hinaufzusteigen.