"Unsere" Werte gegenüber Flüchtlingen/Muslimen verteidigen? © Walter Ludin
Walter Ludin

Das Geschwätz von den «christlichen/abendländischen» Werten

«Unsere» Werte müssen gegen die Flüchtlinge/Muslime verteidigt werden. So tönt es oft von rechts der Mitte. Bei näherem Zusetzen zeigt es sich: Oft ist dies nur leeres, propagandistisches Geschwätz.

Betr. Flüchtlinge: Sie sind die Schwächsten in unserem Land. Christliche Werte leben, hiesse, ihnen mit Nächstenliebe und Verständnis statt mit Härte und Abschreckung zu begegnen. Doch:

Gerade auch von der CVP und ihrem Präsidenten (im Schlepptau der SVP) wird oft eine härtere Gangart gegenüber Flüchtlingen gefordert. Ein nicht mehr brandneues Beispiel und eine bemerkenswerte Reaktion darauf finde ich in einem Beitrag aus dem Herbst 15 der damaligen KIPA:

«Die Anfang August präsentierten Vorschläge von CVP-Politikern, Asylbewerbern kein Bargeld mehr zu geben und sie ohne Lohn arbeiten zu lassen, hält der katholische Sozialethiker Thomas Wallimann für «schwachen Populismus». Und «armselig», weil die Partei in ihrem Namen nach wie vor auf einen «Wertekatalog» verweist, «den man etwas ernster nehmen sollte». Die Forderungen stünden teilweise im Widerspruch zu Grundrechten und seien eine Provokation: «Die Menschen wissen noch, dass christlich sein nicht heisst, zuerst auf den eigenen Nutzen zu schauen, dann darauf, dass es uns wirtschaftlich gut geht, und am Schluss noch ein bisschen humanitär zu sein.»

Mein «alter» Kollege Thomas (wir waren z.B. miteinander im Beirat des Zürcher Pfarrblattes «Forum») meint weiter:

«Die Stossrichtung von SP und Grünen sei tatsächlich «viel stärker mit einer christlichen Sichtweise kompatibel», sagt der Sozialethiker. Je «abschottender» eine Politik oder eine Position sei, umso weniger komme sie der christlichen Grundhaltung nahe, erklärt Wallimann. Der Asyldiskurs der SVP, der FDP und teilweise der CVP stehe «in einer recht grossen Spannung zu dem, was christliche Grundwerte fordern», während dies bei der SP und den Grünen «weniger» der Fall sei, weil sie sich auf die Menschenrechte berufen.»

Obwohl Thomas für die Grünen im Nidwaldner Landrat sitzt, handelt es sich hier keineswegs um Parteipropaganda. Es ist mir schon oft aufgefallen: Die sozialethischen Werte – vom Frieden bis zur Umwelt – sind bei Rot-Grün gewöhnlich besser aufgehoben als bei der «Christen»-Partei.

Im Zweifelsfall– wenn es zu Werte-Kollisionen kommt, verbindet die CVP das C nicht «christlich», sondern mit «Commerz). Ein Beispiel war Ruedi Lustenberger, der als Nationalratspräsident den Stichentscheid gab, dass die Schweiz auch in Länder mit Menschenrechtsverletzungen Waffen exportieren kann.

(Ich bleibe am Thema «Werte». Bis später …)

«Unsere» Werte gegenüber Flüchtlingen/Muslimen verteidigen? © Walter Ludin
13. Januar 2017 | 10:51
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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2 Gedanken zu „Das Geschwätz von den „christlichen/abendländischen“ Werten

  • Karl Stadler sagt:

    “Chrsitlich sein heisse nicht, zuerst auf den eigenen Nutzen, das eigene Wohl zu schauen”, zitieren Sie den Sozialethiker Thomas Wallimann. Das mag teilweise zutreffen, je nach Lesart der Gebote. Vor dem Hintergrund anderer Denktraditionen liesse sich dieser Satz ein wenig abgeändert formulieren: Humantitär ist es gewiss, zuerst an das eigene Wohl zu schauen, inhuman jedoch, dieses allein im Blick zu behalten. Aber die Tatsache, dass den Menschen das je eigene Hemd am nächsten liegt – und dies kulturübergreifend – und dass diese Tatsache damit einer anthropologischen Universalie entspricht, hat auch die zweitausendjährige Geschichte christlicher Lehre und Praxis nicht im Ansatz zu widerlegen vermocht.
    Dass die Asyl-Politik der Grünen und der SP, gemäss christlicher Sozialethik a priori den christlichen Werten entspannter begegne als jene der FDP, SVP und CVP, mag aus einer Einsicht resultieren, welche die eigene Position zum Dogma erhoben hat, oder, konsequent weiter gedacht: Wer den normativen christlichen Vorgaben nachleben will, kann sich politisch nur links positionieren. Damit ist jedoch noch keineswegs die Frage beantwortet, wer denn nun die allen am dienlichste Politik betreibt oder wer am meisten dazu neigt, Prinzipien humanitären Rechts erodieren zu lassen oder zu verwässern?

    • Roland Xander sagt:

      Sehr geschätzter Herr Stadler,

      wie, glauben Sie denn, hätte sich Jesus in dieser Angelegenheit verhalten?
      Lesen Sie aufmerksam die Bibel und Sie werden die richtige Antwort finden, die mit Ihrer jetzigen sehr stark divergieren würde.

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