Buch Fastenopfer-Konflikt (1999) © Walter Ludin
Walter Ludin

Buch Fastenopfer-Konflikt (1999)

Anne-Marie Holenstein: Zwischen Restauration und Aufbruch | Ein Rechenschaftsbericht zum Konflikt um das Fastenopfer in den Jahren 1994 – 2000 | Edition Exodus 2021 | 172. S. | CHF 22.50

Das Fastenopfer, vor genau 60 Jahren als Werk von Laien gegründet, sollte unter die Kontrolle der Bischöfe gestellt werden. Diese warfen etlichen Mitarbeitenden mangelnde «Kirchlichkeit» vor – was auch immer dieser nie klar definierte Begriff bedeuten mochte. Die damalige Direktorin Anne-Marie Holenstein schildert in ihrem Buch diesen Konflikt, «aus einer persönlichen Perspektive und Betroffenheit». Ihr Bericht zeigt: Es ging um die «Restauration» einer Klerikerkirche, um die mündig gewordenen Laien wieder zu gehorsamen Objekte zu machen. Oder auch: Letztlich ging es um Macht und Geld.

Wer die damals agierenden Vertreter der Hierarchie kennt, ist enttäuscht. Männer, die wir als aufgeschlossen hielten, geraten in eine vorkonziliare Rolle. Integre Bischöfe und Äbte verfallen in einen autoritären Modus. Ein betrübliches Kapitel neuerer katholischer Kirchengeschichte!

Zitat
«Die Geschichte des Fastenopfers ist exemplarisch für wichtige Prozesse in der katholischen Kirche während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Geschichte steht für das Bemühen vieler Katholikinnen und Katholiken, aus dem katholischen Ghetto und der Klerikerkirche des19. Jahrhunderts auszubrechen. Und sie steht für Weltverantwortung und Ökumene.»

Anne-Marie Holenstein: Zwischen Restauration und Aufbruch.

GLOSSE
Frieden schaffen mit Waffen?
1982: Fastenopfer und Brot für alle führen ihre Kampagne «Frieden wagen» durch – und erhalten «Schläge» noch und noch. Ein Ärgernis für viele ist der in diesem Zusammenhang entstandene Slogan «Frieden schaffen ohne Waffen».

Dieser sei eine «Illusion», behauptet ein bürgerlicher Nationalrat, der sich rühmt, Offizier zu sein. Ein Blick in die Welt zeige, «dass wir heute von einem gerechten Frieden weiter entfernt sind als je». Als Beispiel wird u.a. Afghanistan genannt! Fazit: Realistisch und somit ohne Illusion sei das Konzept «Frieden schaffen mit Waffen.»

Wie sehr dies in die Hosen ging, zeigt das, was heute in Afghanistan geschieht. Ironie: die modernsten Waffen im Wert vieler Milliarden sind in die Hände jener gefallen, die alles andere als Frieden und Gerechtigkeit schaffen wollen.

Andere Beispiele für das Versagen des Versuches, mit Waffen Frieden zu schaffen:

  • Der Irak, wo als Nebenwirkung des militärischen Eingreifens die potente Mörderband Al-Kaida entstand.
  • Syrien, wo aus dem Versuch, mit Waffen einen Despoten zu entmachten, ein Land völlig zerstört wird; mit Hunderttausenden von Toten und Millionen von Flüchtlingen.
  • Libyen: Auch hier zerfällt ein Staat «dank» militärischen Intervention. «Der Staatszerfall öffnete Flüchtlingen neue Wege nach Europa.» (Wikipedia).

Wer das Weltgeschehen aufmerksam betrachtet, könnte weitere Beispiele anfügen. Und sich fragen: Welches Konzept der Schaffung von Frieden erweist sich als Illusion?

Walter Ludin

Buch Fastenopfer-Konflikt (1999) © Walter Ludin
24. Februar 2022 | 10:52
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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Ein Gedanke zu „Buch Fastenopfer-Konflikt (1999)

  • stadler karl sagt:

    Hier denke ich 180° verschieden von Ihnen. Der Mensch war, ist und bleibt kein ausschliesslich friedliebendes Wesen. Weder wir selber, noch Menschen in andern Kulturen. Und Völkerrecht hatte zu allen Zeiten immer nur solange Bestand, als es sich keine Macht leisten konnte, ungestraft und mit ganz erheblichen Nachteilen es zu verletzen. Auch Religionen erwiesen sich in der Geschichte nur allzu oft als Faktoren, die dem Friedensgeschehen höchst abträglich waren, das Christentum miteingeschlossen. “Si vis pacem, para bellum” erweist sich als nicht weniger friedensstiftend als “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das leben”!

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