Die  12 Dokumente der Synode 72/Bistum Basel © Walter Ludin
Walter Ludin

Warum ich mich nicht auf den «Synodalen Weg» mache.

Ich habe (fast) ein schlechtes Gewissen, weil ich beim «Synodalen Weg» abseitsstehe.

Synode 72
Bei der Synode 72, den zwei Interdiözesanen Pastoralforen und bei einigen Tagsatzungen war ich Pressechef – was jedes Mal mit einer Unmenge Arbeit verbunden war. Zudem nahm ich an fünf Deutschsprachigen Gemeindeforen teil. Was hat bei diesen und andern (Allianz, Pfarrei-Initiative…) Reformbemühungen rausgeschaut? Wenig bis ganz nichts!

Allerdings: Vor etwa 15 Jahren wurden in der Schweiz die Vorschriften bezüglich Wiederverheirateten gelockert. Dies wurde von vielen erfreut zur Kenntnis genommen. Doch wer bei der Synode 72 mitmachte, stellte nüchtern fest: Wir haben dies schon vor Jahrzehnten postuliert.

Weltbischofs-Synoden
Von 1977 bis 1998 war ich bei allen Synoden als Berichterstatter. Auch hier waren die Ergebnisse ernüchternd; unter Johannes Paul II. auch die nachsynodalen Schreiben. Ich habe einige Mal gezählt: Er hat sich jeweils etwa 100-mal selber zitiert, und bloss etwa 30-mal die Synode.

Papst Franziskus nimmt die Synoden ernster. Aber auch dies: Nach der Familiensynode hat er das heisse Eisen des Wiederverheiratens bloss in einer Fussnote erwähnt. Aber schon dies war für etliche Kardinäle Anlass für einen Shitstorm.

Und bei der Amazonas-Synode: Da übersah er einfach den Wunsch nach Verheirateten Priestern. Allerdings lässt die neue Struktur der regionalen Kirchenkonferenz die Hoffnung wachsen, dass dieses Problem nicht in Rom gelöst wird.

Persönliche Gründe
Es ist nicht bloss Resignation und Frustration, sondern Realismus, die mich entmutigen, beim neuen, weltweiten (!) Reformversuch mich einzubringen. Ich muss meine Kräfte einteilen und auf meine angeschlagene Gesundheit Rücksicht nehmen. Seit vier-fünf Jahren habe ich vermehrt Vorhof-Flimmern und Herz-Rhythmus-Störungen; seit Frühsommer wieder wie auch schon starken Schwindel. Corona hat ihn vor zwei Wochen noch verstärkt. Darum muss ich meine Kräfte mehr als zuvor einteilen.

Trotz allem: Hoffnung?
Vielleicht gilt auch hier: Du hast keine Chance. Nutze sie!  Oder mit einem eigenen Aphorismus: «Wer die Welt – die Kirche – ändern will, darf nicht enttäuscht sein, wenn er morgen noch nicht am Ziel ist.«

Hinweis: Am 11. Juni wird tagsatzung.ch eine Tagung durchführen mit dem Titel «50 Jahre Synode 72 – wie weiter?» Einzelheiten: www.tagsatzung.ch

Die 12 Dokumente der Synode 72/Bistum Basel © Walter Ludin
14. Februar 2022 | 11:14
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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5 Gedanken zu „Warum ich mich nicht auf den «Synodalen Weg» mache.

  • Hansjörg sagt:

    So muss nun jede Katholikin und jeder Katholik selbst entscheiden wie sein Weg innerhalb dieser, gegenüber Frauen, so ungerechten und rassistischen Kirche sein soll. Rassismus nimmt eine hierarchische Unterscheidung von Menschen vor auf der Grundlage biologischer Merkmale. Das ist in der römisch-katholischen Kirche eindeutig der Fall, wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts an der Wahl ihres Berufs gehindert und damit ausgegrenzt werden.

    Wer diese heutigen Regeln gut und richtig findet, hat kein Problem, kann fröhlich weiterleben und am Sonntag den Gottesdienst besuchen und frohlocken.

    Wer nicht einverstanden ist, dass innerhalb der kath. Kirche Frauen nicht als gleichberechtigte und gleichwertige Menschen gelten, kann dagegen ankämpfen.

    Wer nicht ankämpfen will, dem bleibt nur noch der ultimative Entscheid und somit Austritt.

    • Ja, genau. 50 Jahre lang war ich der Kirche verbunden. Habe mitgemacht, mitgearbeitet, als Frau mitgelitten, mitgehofft, habe gesehen, wie andere, noch voller Hoffnung enttäuscht wurden, wie wir resignierten. Seit 10 Jahren bin ich zwar noch nicht ausgetreten, aber ich habe die Kirche als leere Hülle erkannt. Alter Wein in alten Schläuchen. Schade um die Bemühungen, mit einem neuen Anlauf etwas Grundlegendes zu ändern. Sogenannt synodaler Weg.
      Vor ein paar Jahren sind Ostschweizer Frauen und auch ein paar Männer zu Fuss den Weg nach Rom gepilgert. Mit einem Brief für den Papst, mit der Bitte um eine persönliche Begegnung . Von der Presse mit Wohlwollen begleitet. In Rom: sie durften den Brief abgeben, jedoch keine Begegnung und keine Reaktion……… so geht der Christenchef, der Stellvertreter Gottes auf Erde – oder Mutter Kirche – welche Schande – mit Mitchristen um.
      Da ist bei mir jede Regung für diese machtgeile, hierarchieverliebte, verlogene, feige, egobesessene neurotisch-klerikale Männerbastion gestorben.

  • Martin Oberholzer-Riss sagt:

    Ich versuche weitermitzutun und gebe mich noch nicht geschlagen. Ich habe wie Herr Ludin das befreiende II. Vatikanische Konzil miterlebt und die äusserst bereichende Zeit der Synode 72. Vor kurzem bin ich völlig zufällig auf einen Brief aus dem Jahr 2004 gestossen, den ich unserem damaligen Bischof Prof.Dr.Kurz Koch geschrieben habe, mit der Bitte, die Synode 72 neu aufzulegen. Resultat: Keine Antwort. Auch die Gedanken von Hansjörg teile ich vollständig.

    Gestern habe ich mit grossem Erschrecken und gewaltigem Staunen das Interview mit Bischof Joseph Bonnemain im «Aufbruch», 16. Februar 2022, S. 16, gelesen. Der Titel war: «Kann der Synodale Prozess die Kirche aus ihrer Glaubwürdigkeitskrise führen?» – Der erste Satz von Bischof Bonnemain lautet: «Die Kirche sollte sich nicht um ihre Glaubwürdigkeit kümmern.» und weiter: «Der Mensch ist das Wesen, das sich nur ausserhalb seiner selbst findet. Der Synodale Prozess fördert dieses Umdenken, eine persönliche Redimeniionierung, ein Abrücken von sich selber, ein “verrückt” sein.» – Das sind für mich “Killergedanken”, obwohl ich Martin Buber Satz kenne: «Der Mensch wird am Du zum Ich». Das Du ist für mich aber nicht nur der Dreieine Gott. Der Mensch ist ein “animal sociale” (Aristoteles).

    Und dann habe ich heute Morgen einen – aus meiner Sicht – hervorragenden Kommentar von Christian Schuler, München, im «Te Deum», Februar 2022, S. 169 gelesen: «Meister Eckhart hat … in einer Predigt das Beispiel der biblischen Marta empfohlen. Sie, die rastlos tätige Marta,stehe fest im Wesendlichen, während ihre Schwester, die Jesus zu Füssen liegende und lauschend an seinen Lippen hängende Maria, noch schwärmerisch und unreif sei. Marta habe gelernt, “allerwärts das Nächstliegende” zu tun. Sie verbinde “lebendige Wahrheit und fröhliche Gegenwärtigkeit in guten Werken”. Statt sich sitzend in mystischer “Freude und Verzückung” zu gefallen, sollte Maria lieber aufstehen und leben lernen. “Maria musste erst eine Marta werden, ehe sie wirklich eine Maria werden konnte”.»

    Und von Martin Luther King stammt der Satz: «Wir müssen erkennen, dass es Aberglaube ist, wenn wir annehmen, Gott werde handeln, wenn wir müssig bleiben.»

    Und jetzt? – Meine Antwort auf den Killersatz von Bischof Bonnemain würde lauten: «Die Schweizer Bischöfe sollten aufstehen und leben lernen, so wie es professionelle Hirten – auch in der Nordwestschweiz gerade in den Wintermonaten tagtäglich tun» Denn «es trifft den Hrinten, wenn die Herde mager ist» (Regel des Heiligen Benedikt, Kapitel 2, Artikel 7). Ob der Satz gehört würde, wie uns ja eigentlich versprochen worden ist … ?

    Ich habe an der Umfrage nicht teilgenommen, weil ich mich nicht motiviert fühlte. Motivation setzt sich für mich zusammen aus «Aussicht auf Erfolg» und «Sozialer Geborgenheit». Die Erfolglosigkeit hat Herr Ludin sehr präzise geschildet; die soziale Geborgenheit in der Kirche hält sich für mich nach wie vor in Grenzen, solange die Bischöfe nicht zuhören wollen (siehe Zitat von Bischof Bonnemain).

  • stadler karl sagt:

    Lieber Walter Ludin, Sie müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie sich beim synodalen Weg nicht mehr so stark engagieren. Aber Sie müssen sich, trotz Ihrer fortgeschrittenen Jahre, überlegen, sich bei der Fasnacht ein wenig einzubringen. Diese heilige Zeit, die heute Abend, zumindest hier in Uri und wahrschinlich auch in Luzern, begonnen hat, darf nicht einfach schweigend übergangen werden, vor allem nicht von einem lebenserfahrenen Kapuziner. Gerade bin ich aus dem stimmungsfrohen, nachepidemischen Freudengetümmel zurückgekehrt. Sie werden mich jetzt vielleicht nicht ernst nehmen. Aber dort herrschte, gemäss meinem persönlichen Verständnis, eine Synodalität, die nachhaltige Impulse vermitteln könnte, wie das zufällige menschliche Dasein, trotz seiner fortdauernden Zerbrechlichkeit und Anfälligkeit für schlimme Krisen, dennoch hoffnungsvoll angegangen werden darf. Diese heilige Zeit, die bei den Menschen, auch in Zeiten positivistischer und metaphysikfeindlicher Denkweisen, das Interesse für das Leib-Seele-Problem, oder für Konzepte vorempirischer Gestalt wie Raum, Zeit, oder gar Substanz zu wecken vermag.
    Auf kath.ch findet die Zeit der Fasnacht leider kaum Erwähnung. Aber wen wunderts, hat diese Pressestelle ihren Sitz doch im erzreformatorischen Zürich zwinglianischer Prägung, wo, traditionsgebunden ideologische Sittenstrenge und disziplinierte Rationalität immer noch die absloluten Werte darstellen und das Sinnliche ein Mauerblümchendasein fristen muss. Und auch Franziskus fand es bis anhin nicht für erforderlich, der Zeit des Karnevals wenigstens in einem apostolischen Schreiben den gebührenden Stellenwert einzuräumen. Ja, der Katholizismus schlingert offensichtlich in eine Krise!

  • Vatikan stellt sich gegen Synodalen Weg – Münchner Merkur – 22.7.2022
    Es ist für mich unvorstellbar, dass Papst Franziskus, ein Greis mit 85 Jahren, eine derartige Macht auf die Schöpfung Gottes ausüben kann. Nicht nur die deutschen Kardinäle, Bischöfe und Priester sind nach der Weihe Männer geblieben und wurden bei der Weihe nicht zum Neutrum umfunktioniert. Und wo bleibt die zweite Hälfte der Schöpfung – die Frauen, ohne die es die Männer gar nicht geben würde? Wenn es auch noch eine Weile dauern wird, bin ich mir sicher: Die Wahrheit geht zwar unter, aber sie ertrinkt nicht!
    Ilse Sixt Oberpframmern

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