Warum ich mich nicht auf den «Synodalen Weg» mache.

Ich habe (fast) ein schlechtes Gewissen, weil ich beim «Synodalen Weg» abseitsstehe.

Synode 72
Bei der Synode 72, den zwei Interdiözesanen Pastoralforen und bei einigen Tagsatzungen war ich Pressechef – was jedes Mal mit einer Unmenge Arbeit verbunden war. Zudem nahm ich an fünf Deutschsprachigen Gemeindeforen teil. Was hat bei diesen und andern (Allianz, Pfarrei-Initiative…) Reformbemühungen rausgeschaut? Wenig bis ganz nichts!

Allerdings: Vor etwa 15 Jahren wurden in der Schweiz die Vorschriften bezüglich Wiederverheirateten gelockert. Dies wurde von vielen erfreut zur Kenntnis genommen. Doch wer bei der Synode 72 mitmachte, stellte nüchtern fest: Wir haben dies schon vor Jahrzehnten postuliert.

Weltbischofs-Synoden
Von 1977 bis 1998 war ich bei allen Synoden als Berichterstatter. Auch hier waren die Ergebnisse ernüchternd; unter Johannes Paul II. auch die nachsynodalen Schreiben. Ich habe einige Mal gezählt: Er hat sich jeweils etwa 100-mal selber zitiert, und bloss etwa 30-mal die Synode.

Papst Franziskus nimmt die Synoden ernster. Aber auch dies: Nach der Familiensynode hat er das heisse Eisen des Wiederverheiratens bloss in einer Fussnote erwähnt. Aber schon dies war für etliche Kardinäle Anlass für einen Shitstorm.

Und bei der Amazonas-Synode: Da übersah er einfach den Wunsch nach Verheirateten Priestern. Allerdings lässt die neue Struktur der regionalen Kirchenkonferenz die Hoffnung wachsen, dass dieses Problem nicht in Rom gelöst wird.

Persönliche Gründe
Es ist nicht bloss Resignation und Frustration, sondern Realismus, die mich entmutigen, beim neuen, weltweiten (!) Reformversuch mich einzubringen. Ich muss meine Kräfte einteilen und auf meine angeschlagene Gesundheit Rücksicht nehmen. Seit vier-fünf Jahren habe ich vermehrt Vorhof-Flimmern und Herz-Rhythmus-Störungen; seit Frühsommer wieder wie auch schon starken Schwindel. Corona hat ihn vor zwei Wochen noch verstärkt. Darum muss ich meine Kräfte mehr als zuvor einteilen.

Trotz allem: Hoffnung?
Vielleicht gilt auch hier: Du hast keine Chance. Nutze sie!  Oder mit einem eigenen Aphorismus: «Wer die Welt – die Kirche – ändern will, darf nicht enttäuscht sein, wenn er morgen noch nicht am Ziel ist.«

Hinweis: Am 11. Juni wird tagsatzung.ch eine Tagung durchführen mit dem Titel «50 Jahre Synode 72 – wie weiter?» Einzelheiten: www.tagsatzung.ch

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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