Alle sprechen von "Werten". © Beat Baumgartner 2016
Walter Ludin

Was sind «christliche» Werte?

Sie müssen verteidigt werden – heisst es: die «hiesigen», die  christlichen Werte. Oder auch das «christliche Abendland». Welcher überzeugte Christ könnte etwas dagegen haben? Ja, wenn es so einfach wäre…

Einfach ist es offenbar für den CVP-Präsidenten Gerhard Pfister, der sich öfters auf die christliche Schweiz beruft. Zum Beispiel in einen Blick-Interview:

«Die Schweiz ist ein christliches Land. Dazu sollten wir wieder stehen. Und wir sollten klarmachen, dass wir bereit sind, dieses Erbe zu verteidigen. Wer bei uns lebt, muss lernen, diese christlichen Werte anzuerkennen.»

Was diese Werte sind – falls sie wirklich christlich sind – entscheidet nicht eine diffuse «bürgerliche Religion». Ohne Ausrichtung an der Bibel erweist sich die Rede von «christlichen Werten» als unverbindliches, ideologisches Geschwätz. Eine wichtige Fundstelle ist die Bergpredigt mit ihrer Stellungnahme für die Armen, ihres Postulates für die gewaltfreie Lösung von Konflikten, für Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen.

Der Basler Journalist Matthias Zehnder nennt in einem seiner Wochenkommentare diese Inhalte der Bergpredigt und folgert:

«Wenn wir diese christlichen Werte inhaltlich ernst nehmen und nicht einfach wie eine Monstranz vor uns hertragen, dann müsste das Resultat eine Politik der Demut, der Sanftmut und der Barmherzigkeit sein. Es wäre das genaue Gegenteil einer egoistischen, auf Abgrenzung bedachten Politik des Stärkeren, wie sie die SVP (und mittlerweile auch die CVP) pflegt.»

Zehnder sieht einen gewaltigen Abgrund zwischen den genannten, tatsächlich christlichen Werten und der Politik, welche manche betreiben, die sich auf das christliche Abendland berufen.

Darum «wäre das Schlimmste, was diesen Politikern passieren könnte, dass wir sie beim Wort nehmen und uns tatsächlich auf die «hiesigen Werte» berufen».

Alle sprechen von «Werten». © Beat Baumgartner 2016
25. Juli 2017 | 10:05
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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2 Gedanken zu „Was sind „christliche“ Werte?

  • Karl Stadler sagt:

    Ich weiss nicht: Berg- und Feldpredigt, Seligpreisungen, die Kerngehalte christlichen Glaubens und Ethik? Der Nazarener gab gerademal das Richtmass für das universal-verbindlich Gute vor und verpackte implizit, aber wirksam, den Hinweis auf diejenigen, welche diesen normativen Vorgaben nicht nachlebten und die seinen Vorstellungen nicht konform lebten. Die Saat des Zwietrachts, der Ab- und Ausgrenzung war damit bereits ausgebracht. Und nach dem gleichen Muster läuft es bis auf den heutigen Tag, nachdem bürgerlich denkende Menschen offenbar nicht in der Lage sind, den Kerngehalt “christlicher Werte” zu erfassen.
    Man kann “die Glut unter der Asche zum Leuchten bringen”, um die Umgebung zu erwärmen, aber auch, um gefährliche Feuer zu entfachen oder Abneigung und Zwietracht zu säen.
    Es reicht, wenn eine Institution wie die Kirche die Menschen über Jahrtausende, je nach historistischer Befindlichkeit, auf die ihr gut scheinenden Normen zu trimmen suchte. Auf diesem Hintergrund darf sich auch ein bürgerlicher Politiker den warnenden Hinweis erlauben, wenn im Zuge der Migration neben vielfältig bereichernden kulturellen Paradigmenwechseln auch Geistesströmungen Einzug halten, die mit missionarischer Stossrichtung und mit der Forderung nach universalitischer Geltung ihres
    Wahrheitsanspruches in Gesellschaft und Öffentlichkeit an Gestaltungskraft zu gewinnen suchen, nicht selten unter Rekurs auf die mit ihren Heilsversprechen nicht vereinbaren Grundrechte.

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