Was sind «christliche» Werte?

Sie müssen verteidigt werden – heisst es: die «hiesigen», die  christlichen Werte. Oder auch das «christliche Abendland». Welcher überzeugte Christ könnte etwas dagegen haben? Ja, wenn es so einfach wäre…

Einfach ist es offenbar für den CVP-Präsidenten Gerhard Pfister, der sich öfters auf die christliche Schweiz beruft. Zum Beispiel in einen Blick-Interview:

«Die Schweiz ist ein christliches Land. Dazu sollten wir wieder stehen. Und wir sollten klarmachen, dass wir bereit sind, dieses Erbe zu verteidigen. Wer bei uns lebt, muss lernen, diese christlichen Werte anzuerkennen.»

Was diese Werte sind – falls sie wirklich christlich sind – entscheidet nicht eine diffuse «bürgerliche Religion». Ohne Ausrichtung an der Bibel erweist sich die Rede von «christlichen Werten» als unverbindliches, ideologisches Geschwätz. Eine wichtige Fundstelle ist die Bergpredigt mit ihrer Stellungnahme für die Armen, ihres Postulates für die gewaltfreie Lösung von Konflikten, für Barmherzigkeit gegenüber den Schwachen.

Der Basler Journalist Matthias Zehnder nennt in einem seiner Wochenkommentare diese Inhalte der Bergpredigt und folgert:

«Wenn wir diese christlichen Werte inhaltlich ernst nehmen und nicht einfach wie eine Monstranz vor uns hertragen, dann müsste das Resultat eine Politik der Demut, der Sanftmut und der Barmherzigkeit sein. Es wäre das genaue Gegenteil einer egoistischen, auf Abgrenzung bedachten Politik des Stärkeren, wie sie die SVP (und mittlerweile auch die CVP) pflegt.»

Zehnder sieht einen gewaltigen Abgrund zwischen den genannten, tatsächlich christlichen Werten und der Politik, welche manche betreiben, die sich auf das christliche Abendland berufen.

Darum «wäre das Schlimmste, was diesen Politikern passieren könnte, dass wir sie beim Wort nehmen und uns tatsächlich auf die «hiesigen Werte» berufen».

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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