Zwischen Demütigung und vollkommener Freude (Brief Helder Camaras 4 von 4)
«Die Konferenz in der Buchhandlung Paesi Nuovi war, Gott sei Dank, ein gutes Zeugnis. Ein sehr lebhaftes Publikum. Priester, Seminaristen und Laien haben den zu kleinen Saal zum Überborden gebracht. Es waren Menschen ausgebreitet auf der Treppe, haufenweise in den Gängen …
Pater Balducci hat mich vorgestellt […] Auch Murilo Mendes (ein an der brasilianischen Botschaft in Rom tätiger katholischer Intellektueller und Dichter) hat mit grosser Liebenswürdigkeit gesprochen. Die beiden haben Dom [Helder Camara] als den Bischof von morgen vorgestellt.
[…] Als ich beim Vatikan ankam, habe ich die vollkommene Freude kennengelernt. Die Garde war durch Mgr. Tacoli darüber informiert, dass ich ankommen werde … Ich ging in sein Büro, das sich neben der Seite des Heiligen Vaters befand: Er musste mit dem Auto weg, nach Hause, in den Vatikan … Ich überquerte den Vatikan von einem Ende zum andern … Es regnete. Ein sehr kalter Wind sowohl drinnen wie draussen. Ich habe bei der Wohnung von Tacoli angeklopft und man sagte mir, er sei noch beim Papst. Von Herodes zu Pilatus – und ich kam zurück, ohne jemanden gesehen zu haben …
Da hat mich die vollkommene Freude überfallen, mich in der Armut zu sehen: zwei Monate in Rom zu verbringen und zurückzukehren, ohne aus der Nähe den Freund Papst gesehen zu haben; und in der Armut in das Haus des Vaters zurückzukehren, das mich gezwungenermassen aufnimmt …
Ich habe die doppelte Demütigung durch die beiden Väter geopfert: diejenige von hier und diejenige von oben. Ich liebe sie in Christus zutiefst.
[…] Immer gewinnen, niemals unterliegen, sich immer geliebt fühlen, niemals überflüssig sein: das ist eine Gefahr.
Auf dem Petersplatz zitterte Christus vor Kälte in der Person von einigen sich aufhaltenden Armen, die darauf warteten, dass jemand vorbeikomme, oder sich einfach unter den Kolonnaden schützten.
[…] Wenn Gott es will, so werde ich heute vom Nuntius um 16 Uhr (und erst dann) die Anweisungen erhalten, in Rio zu leben. Unsere beiden Kardinäle werden um 9 Uhr in Neapel das Schiff Giulio Cesare besteigen.
Bis bald, wenn Gott es will, oder im Himmel!
Liebevolle Segenswünsche von Dom.»
(Giancarlo Collet; CaCi 59; CaLe 1,410f)
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