Zwei Bücher von Leonardo Boff und Jürgen Neitzert
Von Leonardo Boff: Überlebenswichtig. Warum wir einen Kurswechsel zu echter Nachhaltigkeit brauchen. Matthias Grünewald Verlag 2016. ISBN 978-3-7867-3065-1. 168 S., ca. CHF 26.90
Das Zauberwort «Nachhaltigkeit» wurde am 1992 am Umweltgipfel von Rio weltbekannt. Es steht für eine zukunftsfähige Wirtschaft, die Rücksicht nimmt auf die Bedürfnisse der kommenden Generationen. Doch vielfach wurde es für Greenwashing missbraucht. Selbst Unternehmen, die zur Verschmutzung der Erde massiv beitragen, bezeichnen sich als nachhaltig.
Der brasilianische Befreiungstheologe Leonard Boff zeigt, was nachhaltiges Wirtschaften tatsächlich bedeutet. Er ist überzeugt, dass nur prinzipielle Änderungen der Mentalität und des Verhaltens die Erde vor dem Kollaps retten.
Mit grosser Begeisterung und immensem Sachverstand zeigt Leonardo Boff Auswege aus der ökologischen Krise. Dabei zitiert der ehemalige Franziskaner öfters Papst Franziskus und seine Umweltschreiben «Laudato si». So fundiert er seine Überlegungen mit einer zeitgemässen Theologie der Mit-Welt.
Boff ist zutiefst überzeugt, dass nur eine reale Nachhaltigkeit aus einer Weltordnung herausführt, welche «die Zukunft der Erde gefährdet» und «das Gleichgewicht der Erde schwer beeinträchtigt». Er entfaltet Stichworte wie solidarische Ökonomie, sozioökologische Demokratie und –für ihn als Brasilianer sehr wichtig – Spiritualität der andinen Völker, die sich am Ethos «erfülltes Leben/bien vivir» ausrichtet.
Auch wenn das Buch den desaströsen Zustand der Erde keineswegs ausblendet, hat es eine hoffnungsvolle Zielrichtung. Mag auch die Zerstörung des Raumschiffes Erde bereits weit fortgeschritten sein, ist der Autor doch davon überzeugt, dass es nicht zu spät ist, das Steuer herumzuwerfen.
Die Lektüre herausfordernd. Denn wer meint, in seinem ökologischen Bewusstsein auf der Höhe der Zeit zu sein, muss feststellen, dass vermeintlich wirksame Lösungsansätze zu wenig radikal sind, um das Überleben der Menschheit zu sichern.
Jürgen Neitzert: Muslime und Christen. Ein franziskanischer Blick auf den Islam. Reihe: Franziskanische Akzente Band 13. Echter 2017. ISBN/EAN978-3-429-04332-2. 100 S., ca. Fr. 14.90
Der christlich-muslimische Dialog wird als ein Produkt der neuern Zeit angesehen. Doch tatsächlich begann er schon vor 800 Jahren: mit dem Besuch des Franz von Assisi beim Sultan von Ägypten. Franziskaner wie der Deutsche Jürgen Neitzert sind darum besonders prädestiniert, darüber zu schreiben. Der Kölner trägt in seinem vorliegenden Bändchen durch leicht verständliche, grundlegende Informationen über den Islam zur Verständigung zwischen Christen und Muslimen bei. Er ist Mitglied der Islamkommission des Weltordens der Franziskaner. Durch wiederholte, längere Aufenthalte in der Türkei kann er aus eigener Erfahrung schreiben.
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