Zürich bringt dem Konzil Orientierung
In den Redaktionsräumen der Zeitschrift «Orientierung» in Zürich trafen sich in den ersten Februartagen 1964 zahlreiche Theologen, um am Schema XVII (später Gaudium et spes) weiterzuarbeiten.
Wie viele Stadien und Umbrüche hatte dieses Schema schon erlebt! Kein anderes Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils repräsentiert so sehr die Neuheit in der theologischen, ekklesiologischen und pastoralen Ausrichtung der Kirche. Das Verhältnis der Kirche zur Welt sollte grundlegend neu begriffen werden. Die besten Theologen aus aller Welt mühten sich ab, um eine befriedigende Verhältnisbestimmung zu finden. Dabei pendelte der Duktus des Dokuments in seinen verschiedenen Entstehungsphasen zwischen einer eher soziologischen und einer eher theologischen Betrachtungsweise. Wie konnte die Spannung überwunden werden?
In Zürich wurden schliesslich vier Antworten gegeben, die das Dokument bis zur Schlussversion prägen sollten:
1. Zunächst wurde der Dialog mit der heutigen Welt betont.
2. Dann wurde der Grundsatz der Solidarität der Kirche mit der gesamten Menschheit im Text verankert.
3. Mit der Aufnahme des Konzepts der «Zeichen der Zeit» wurde die Welt als theologaler Ort verstanden. Der Wirklichkeit der Welt wurde eine eigene Bedeutung für die Gottesrede zugewiesen und damit die Unversöhnbarkeit von theologischem Wahrheitsanspruch und Erfahrung der Wirklichkeit, von Lehre und Lebenserfahrung zumindest im Anspruch überwunden.
4. Dieser Ansatz prägte schliesslich das Festhalten am Gedanken der einen Berufung des Menschen, die es nicht länger zuliess, Engagement für weltliche Werte und Aktivitäten einem irgendwie kirchlichen oder spirituellen Engagement des Menschen unterzuordnen.
Dass der in Zürich vorgelegte Textentwurf neue und bis dahin noch kaum so deutlich bedachte Orientierungen über das Verhältnis der Kirche zur Welt brachte, zeigt nicht zuletzt, dass es bald schon zwei erklärende Begleittexte gab, die die Akzeptanz des Schemas fördern sollten.
(ab; A3, 466-478)
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