Br. Paul Tobler

Zu Gast im Kloster

«Gäste fehlen im Kloster nie» schrieb der Heilige Benedikt vor 1500 Jahren in seiner Regel (RB 53,16). Es gilt auch heute noch. Er betonte die Pilger. Heute sind es Leute, die sich mit ganz unterschiedlicher Motivation ein paar Tage ins Kloster begeben. Moderne Pilger? Konkret geht es so: Einer der Mönche ist als sogenannter «Gastbruder» Ansprechperson. Man kontaktiert ihn, bespricht den Zeitrahmen, prüft die Belegung – das Übliche. Die Zimmer: Ja, sie sind geheizt – danach wurde ich schon besorgt gefragt. Und sie sind auch sehr schön. Weil man nahe an der Realität des Männerklosters dran sein kann, ist diese Form des Gastseins bei uns nur für Männer möglich.
Anders als in einem Hotel: Dicke Klostermauern, ruhige Gänge, kein gängiges Unterhaltungsprogramm. Gegessen wird zusammen mit der Klostergemeinschaft, ohne zu sprechen, aber mit Tischlesung, mit den dazu nötigen formellen Abläufen, die einem aber erklärt und bald verständlich werden. Und man hat natürlich die Möglichkeit, an den Gebetszeiten teilzunehmen. Ab morgens 5:30 bis abends 20 Uhr. Ein gewisses Interesse dafür wird erwartet. Aber man hat auch viel Freiheit: Wenn die Mönche arbeiten, ruht der Gast aus, geht spazieren, fährt Ski, schreibt, liest, …
Das Angebot ist beliebt. Wir haben ständig mehrere Gäste. Ganz unterschiedliche. Junge und alte. Für ein paar Tage, für eine Woche. Es ist eine spannende Sache, gegenseitig: Gäste fühlen sich oft ein wenig «wie in einer anderen Welt». Sie finden Ruhe, Erholung und Bestärkung, sie denken nach, machen eine Standortbestimmung. Sie können beten und Gespräche führen. Vielleicht ist jemand auch mal in einer gewissen Krise. Ein Gast nannte es für sich «Burnout-Vorbeugung». Zu verrückt muss man sich das Ganze ausserdem nicht vorstellen: es gibt auch die gemütlich-geselligen Momente, an denen man Anteil nehmen kann; etwa Kaffeezeiten, Führungen, Spaziergänge, andere Gäste, usw.
Auch mir gefällt dieses Angebot des «Kloster auf Zeit» sehr. Wir treffen ganz unterschiedliche Leute. Es ergeben sich interessante Gespräche. Vielleicht ist es auch einmal etwas für Sie? Informieren Sie sich auf der Webseite des Klosters, das Sie interessiert. Noch eine Präzisierung: Vielerorts, auch bei uns, gibt es weitere Gastmöglichkeiten wie Seminare, Klausuren, Gruppenunterkunft, usw. – da sind auch Frauen willkommen und beim Essen darf gesprochen werden…

29. März 2015 | 16:48
von Br. Paul Tobler
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