Charles Martig

Zen for Nothing – Spiritualität im Kino

Seit meinem 18. Lebensjahr interessiere ich mich für den Zen-Buddhismus. Ich meditiere in Versenkung, was in japanisch «Zazen» genannt wird. Darüber hinaus interessieren mich auch Bücher, Videos und Filme zum Thema. Mit «Zen for Nothing» ist jetzt ein sehr schöner Dokumentarfilm in den Schweizer Kinos angelaufen, der sehenswert ist.

Allein, auf einer langen Anreise im Zug und zu Fuss, begibt sich die Berner Schauspielerin Sabine Timoteo in ein japanisches Zen-Kloster. Dokumentarfilmer Werner Penzel begleitet sie in ihrem Alltag. Er besteht aus Meditieren, Ritualen, Einzelgesprächen, Essen, Holzhacken, Kochen und Tofu machen. Die Gemeinschaft aus Mönchen und Besuchern will ihr eigentliches Selbst entdecken und ergründen.

Zen-Meister Kodo Sawaki

Doch es gibt viele Hindernisse auf diesem Weg, bei dem es darum geht, alle egozentrischen Spielarten des menschlichen Geistes loszulassen. Aus dem Off spricht eine Stimme die weisen Worte des Zen-Meisters Kodo Sawaki (1880–1965). Die Schwierigkeiten würden dann beginnen, sobald man «Ich» sage und dabei nicht erkenne, dass es sich um eine Illusion handelt.

Der Dokumentarfilm vermittelt authentisch das Leben im modern geführten Zen-Kloster Antaiji. Es sind sowohl Männer als auch Frauen zugelassen. Überraschenderweise ist der Meister im Kloster kein Japaner, sondern ein westlicher Mönch mit Berliner Wurzeln, der dort «hängen geblieben» ist, wie er mit ironischer Demut feststellt.

Ein spiritueller Weg, der an den Grundfesten der Existenz rüttelt

Für Sabine Timoteo ist der Aufenthalt eine körperliche und existentielle Herausforderung. Die Monate im Kloster tun ihr gut. Der Film ist eine Einladung, diese Form des «Klosters auf Zeit» kennenzulernen und für die Länge des Kinobesuchs in eine besinnliche Atmosphäre einzutreten.

Der Vimeo-Trailer gibt Einblick in den Rhythmus und die Gestaltung des Films. Die Szenen in der Stille gehören zu den eindrücklichsten Momenten des dokumentarischen Materials.

Wieso nicht für 90 Minuten in die Welt eines japanischen Klosters eintauchen? Die echte Zen-Meditation gibt es übrigens im Lasalle-Haus in Bad Schönbrunn. Gerade am vergangenen Wochenende war ich dort an einem Zazenkai mit Niklaus Brantschen. Ich freue mich, Euch bei Gelegenheit dort zu treffen. Oder auch nach dem Kinobesuch mit Euch zu diskutieren.

Hinweis: «Zen for Nothing» ist Film des Monats Juni 2016 auf www.medientipp.ch.

 

Meditationsübung im Zen-Kloster | © 2016 Look Now!
7. Juni 2016 | 14:32
von Charles Martig
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