Heinz Angehrn

«Zärtlichkeitsoffensive» ?!?

Kehren wir in den Ring des internen Diskurses zurück.Nachdem ich mit dem Artikel, den mein neuer Kollege in der Redaktionskommission der SKZ gestern in unserem Tagblatt (wir sind beide St.Galler) publizieren konnte, eigentlich zu über 90% einverstanden bin (insbesondere in der Frage, wie weit die moderne wirtschaftsliberale Gesellschaft mit ihren Forderungen die Familie unterhöhlt und in ihrem Wert beschädigt – das sollte man aber vielleicht auch in BAZ und Weltwoche schreiben!), möchte ich auf die wenigen Prozent Missverständnis eingehen:
Ist das, was Franziskus als eigentliches Grossprojekt seit seinem ersten eigenständigen Schreiben angeht, mit Worten wie «Zärtlichkeitsoffensive» oder (noch schlimmer) «anpasserisch» adäquat wiedergegeben? Nein, auf keinen Fall. Ich bin der Überzeugung, dass er unseren gemeinsamen Blick (als Mit-Betroffene) auf das Wesen des Menschen, der eben «um Gut und Böse weiss» und darum ständig der Barmherzigkeit seines Schöpfergottes bedarf (er hat uns immerhin Fellkleider geschenkt, damit wir im rauen Wind bestehen) richten will. Und der Blick führt zu einer Conclusio, die mit Anpassung nichts am Hut hat: 77x verzeihen, immer wieder neu anfangen, nicht richten, nicht ausschliessen.

19. Januar 2016 | 08:03
von Heinz Angehrn
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