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Yves Congar: Frust der Konzilsvorbereitung – oder: Ottaviani und die Gassen von Rom

Yves Congar ist frustriert. 1960 war der französische Dominikaner noch zur grossen Überraschung vieler zusammen mit dem Jesuiten Henri de Lubac in die Theologische Kommission der offiziellen Konzilsvorbereitung berufen worden. Zwei kirchenamtlich gemassregelte Ordenstheologen in Rom: das war auch unter dem neuen Papst Johannes nicht zu erwarten! Erwartungsgemäss verliefen hingegen die von der römischen Kurie dominierten Vorbereitungsarbeiten: «Es gibt stets eine […] Auslage im Schaufenster der Kirche, und dahinter gibt es immer auch ein Lager. Die Auslage kündigt Lubac an, das Lager aber enthält Gagnebet [= ein römischer Schultheologe]» (Co 1,18).Begonnen hatte das Unbehagen Congars spätestens am 14. November 1960 mit einer Papstaudienz vor der ersten Zusammenkunft der Theologischen Kommission. Die pompöse Inszenierung kam ihm vor wie eine «mittelmässige Oper». Auf dem Rückweg zu seiner Unterkunft verlief Congar sich im Gewimmel der Gassen Roms. Ihm wurde schlagartig bewusst, dass das Geschehen zuvor «nicht die geringste» Beziehung zu dieser profanen Welt hat. Seine Schlussfolgerung lautete: «Es gibt einen Apparat der Kirche, der ohne irgendeinen Kontakt zu den Menschen funktioniert» (Co 1,31).Am nächsten Tag kam es zu einer Begegnung mit Kardinal Ottaviani, dem Präfekten des Hl. Offiziums. Dieser warf ihm vor, er bewege sich nicht genügend «auf der Linie Roms». Congar erinnert sich: «Ich antworte, dass […] die Kirche weniger an sich selbst denken müsse. […]. Der Kardinal: Die Kongregationen […] tun nichts anderes als zu dienen […]. Ich erwähne meine gestrige Erfahrung: Was hat unsere (grossartige) Zeremonie mit den vielen tapferen Leuten auf den heruntergekommenen Strassen gemeinsam, die ich durchquert habe? Die Kirche ist für die Menschen da […]. Er: Das ist eine Frage der Pastoral. Es gibt eine Kommission für die Pastoral, die nach entsprechenden Anpassungen zu suchen hat. Wir aber müssen den Glauben vorlegen» (Co 1,37).Diese zentrale Problemstellung des Konzils wurde erst mit der Pastoralkonstitution höchstlehramtlich geklärt: im Glauben durchdringen sich Dogma und Pastoral in gleichstufiger Wechselseitigkeit. Es geht nicht um sekundäre Anpassungen, sondern um die Inkarnation des Wortes Gottes in der Welt von heute.(Christian Bauer)

25. Juli 2012 | 00:23
von Konzilsblogteam
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