Konzilsblogteam

Wozu die Zeit nicht reichte

So gross die Fortschritte des Konzils im Bereich der Ökumene auch waren: längst nicht alle wichtigen Themenfelder konnten während der zweiten Konzilssession zum Abschluss gebracht werden. Hans Küng hält mit spürbarer Freude fest, dass die ersten Kapitel des ökumenischen Schemas mit 95% Zustimmung angenommen worden waren. «Die Abstimmung beweist, welch weiter und grosser Weg in den letzten fünf Jahren zurückgelegt wurde.» Allerdings konnten wichtige Themen nicht mehr abschliessend behandelt werden, auch wenn man während der Konzilssession noch von einer baldigen Abstimmung ausging: Es ging um das Verhältnis zu den Juden und um die Religionsfreiheit. Auch wenn es hier noch keine definitive Textform gab, waren die Themen gesetzt – und zwar auch in der Wahrnehmung der ganzen Welt.
«Die Welt horchte auf, als sie vernahm, dass die katholische Kirche – nach langen Jahrhunderten eines offenen oder verdeckten Antisemitismus innerhalb der Kirche, ohne den auch der nationalsozialistische Judenhass nicht denkbar gewesen wäre – tief eingewurzelte religiöse Vorurteile gegenüber dem alten Gottesvolk Israel korrigieren wolle, ohne dabei zu politischen Fragen (Staat Israel) Stellung zu nehmen. Die Einführung des vierten Kapitels durch den deutschen Kurienkardinal Bea, der auch über die nationalsozialistische Judenverfolgung mit grosser Offenheit sprach, wurde im Konzil mit ebensoviel Beifall bedacht wie die Vorlage des Kapitels über die religiöse Freiheit durch Bischof de Smedt von Brügge.» Dass die Kirche um eine klare Positionierung in diesen Fragen nicht mehr herumkommen könne, war dem Konzil deutlich. Kardinal Bea habe «feierlich versprochen, dass aufgeschoben nicht aufgehoben bedeute». Küng resümiert: «Die Vorlage allein dieser beiden Kapitel bedeutet ein ökumenisches Ereignis von erstrangiger Bedeutung.»
(ab; Kü 241f)

20. Juli 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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