Walter Ludin

Worte des ewigen Lebens

«Wo kämen wir hin? – In den Himmel!»(Ausnahmsweise schon heute Auszüge aus meiner Sonntagspredigt)
Am Ende des heutigen Evangeliums steht die hoffnungsvolle Verheissung: «Du hast Worte ewigen Lebens.» Bevor wir diese Verheissung näher anschauen, die Feststellung, die in den wilden 1968er-Jahren oft zu hören war (wir haben als Studenten sogar ein kurzes Video darüber gedreht): «Es gibt ein Leben vor dem Tod.» Eigentlich eine banale, selbstverständliche Aussage. Doch wenigstens damals ging es in der Kirche oder allgemein bei frommen Leuten oft so zu und her, dass man meinen konnte, das Leben im Diesseits sei gar nicht wichtig.Es gibt ein Leben vor dem Tod: Damit wollten wir damals aussagen, dass sich das christliche Leben hier und jetzt bewähren muss. Es gibt dafür eine sehr bekannte Bibelstelle: Als Jesus zum Himmel aufgefahren war, kommt ein Engel und sagt: «Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel.» Der Sinn des Vorwurfs: Nicht in einem fernen Himmel, sondern hier auf der Erde werdet ihr Jesus wieder begegnen.Ich muss zugestehen: Heute besteht die Gefahr, die Erde zu vernachlässigen, kaum mehr. Es gibt eher das andere Extrem: die Versuchung, die Hoffnung auf das ewige Leben zu vernachlässigen. (….)Nochmals: Es gibt ein Leben vor dem Tod. Auch und gerade für dieses Leben sind die Worte Jesu wegweisend; Wie es im Alten Testament vom Wort Gottes heisst: Sie sind Licht für unsere Pfade. Nehmen wir nur ein Beispiel: Die Seligpreisungen der Bergpredigt. Diese sind für ein christliches Leben ebenso wichtig oder noch wichtiger als die 10 Gebote. Roger Schutz nennt die Kirche sogar das Volk der Seligpreisungen. Ich beschränke mich hier auf zwei der sieben Seligpreisungen, die in besonderer Weise Wegweiser für ein gelungenes Leben sind:- Selig, die Frieden stiften und keine Gewalt anwenden. Sie erinnern sich: In der DDR hat der gewaltfreie Widerstand wesentlich zur Befreiung beigetragen. – Ein zweites Wort Jesu: Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Nur wenn es genügend Menschen gibt, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen, wird die Menschen überleben und sich nicht in Kriegen selber vernichten. Wiederum: Wer sich nach diesen Weisungen ausrichtet, wird leben in Ewigkeit. Ich könnte jetzt Hunderte von weitern Worten Jesu anfügen. Keine Angst, ich werde es nicht nur. Nur noch eine ganz kurze Geschichte zur Aufforderung Jesu, die Fremden menschlich zu behandeln.Die Pfarrei Wien-Schwechat hat schon vor Jahrzehnten Flüchtlinge in ihrem Pfarreiheim untergebracht. Der Pfarrer Helmut Blaschke, ein guter Bekannter von mir, machte sich damit nicht nur Freunde. Als einmal eine alte Frau ihm sagte: «Wo kämen wir hin, wenn wir noch mehr Asylanten aufnehmen würden.» Helmut meinte ganz trocken: «Wir kämen in den Himmel.»(Elisabethenheim Luzern, So 9.45 Uhr)

25. August 2012 | 01:33
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!