Wort zum Sonntag
«Pfuiwort» Asylsuchende
Andreas Rellstab, ehem. Churer Generalvikar, über seine Erfahrungen als Wort zum Sonntag-Sprecher:
Die Themenauswahl empfand ich als schwierig. Die Vorgabe lautet: «Kommentar aus christlicher Sicht zu religiösen, spirituellen und ethischen Fragen des Individuums und der Gesellschaft der Gegenwart.» Jede christliche Sicht ist individuell gefärbt, so dass niemand sagen kann: meine ist die christliche. Religiöse, spirituelle und ethische Fragen eröffnen ein enorm weites Feld, besonders wenn es sowohl in individueller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht geöffnet wird.
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Heikel sind Themen, die auch eine politische Seite haben. Ich habe einmal in einem «Wort zum Sonntag» gesagt, dass wir jeden Menschen respektvoll behandeln sollen, auch Asylsuchende, und dass, wenn wir das tun, wir auch schon mal ausgenutzt würden. Ich sagte nichts zu eigentlich politischen Fragen, zum Beispiel, dass die Schweiz mehr Asylsuchende aufnehmen müsste, aber nur schon die Erwähnung des Begriffs Asylsuchende löste offenbar bei manchen Zeitgenossen allergische Reaktionen aus.
Diese reichten von dankbarer Zustimmung bis eben hin zur Aussage, ich hätte eigentlich an Stelle von Jesus gekreuzigt werden sollen. Es ist schon erstaunlich, wie Leute, die sich selber für christlich und gebildet halten, andere mit Dreck bewerfen können! Aber solch negativen Reaktionen muss leider in Kauf nehmen, wer sich aus christlicher Sicht zu ethischen Themen äussert.
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Die Saat unserer «Volkspartei» ist offenbar aufgegangen.
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