Heinz Angehrn

Wo der Zentralismus lauert

Es sei eingestanden: Als katholischer Theologe tut man gut daran, sich vorsichtig zum Thema Zentralismus zu äussern. Wer im Glashaus sitzt, sollte das Steine werfen mit all seinen Konsequenzen frühzeitig bedenken …
Aber es sei angemerkt: Als katholischer Theologe aus der Schweiz ist man doch berechtigt, das Thema Zentralismus in der Kirche kritisch zu betrachten.Ein französischer Kollege hätte da weniger Vorwissen und vor allem weniger Vorerfahrungen (Roi Nicolas und seine Vorgänger grüssen sanft…). Es gibt kaum ein politisches System wie das unsere, in dem das Prinzip der Subsidiarität so konsequent umgesetzt worden ist. Das beginnt bei der Organisation des Ständerates und endet bei den vielen Verantwortlichkeiten, die auf Kantons- und Gemeindeebene delegiert sind. Ich bin (diesmal wohl zusammen mit den Menschen aus der SVP, von gemässigt bis tiefbraun) stolz auf diese unsere spezifisch schweizerische Errungenschaft.
Also: Nach meinen Erfahrungen lauert die Gefahr des Zentralismus und des Nicht-Ernst-Nehmens des Subisidiaritätsprinzips auf allen Ebenen beider Systeme, sowohl des innerkirchlichen wie des staatskirchlichen. Und nur das Prinzip der Solidarität (das in Richtung des Kantons Schwyz gesprochen) ist aus sozialethischer Sicht gewichtig genug, um das der Subsidiarität auszuhebeln.Aber die kleinen und grossen Napoleone mit ihrem «l`état c’est moi»-Denken sitzen an verschiedensten Orten und Hebeln. Das kann die RKZ sein oder die SBK oder eine Kantonalkirche oder ein Ordinariat … Die Gefahr lauert im System. Sich permanent ihrer Bewusst-Sein ist die beste Vorbeugung.

8. März 2008 | 10:37
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!