Wird die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung muslimisch?
Immer wieder ist zu hören, die Muslime würden uns eines unschönen Tages «überholen». Dies hat vor wenigen Jahren auch die SVP mit einer Statistik «bewiesen». Der Ausgangspunkt war die Zeit während des Bosnienkrieges, wo überdurchschnittlich viele Muslime zu uns geflüchtet sind. Diese Zahl wurde dann «hochgerechnet». Doch an einem Punkt ging die gezeigte Kurve nicht mehr weiter: In jenem Jahr, an dem gemäss Hochrechnung der Anteil der Muslime an der Schweizer Bevölkerung über 100 Prozent ausmachen würde.
Daran musste ich denken, als ich die folgende Meldung las:
«Isa Gürbüz, das syrisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt in der Schweiz, warnte in einem Artikel des «Tages-Anzeiger»: Die Agenda des Islam sei es, Christen aus dem Nahen Osten zu vertreiben und in Europa die Macht zu übernehmen. Er befürchtet, in rund dreissig Jahren würden die Muslime in Europa die Mehrheit der Bevölkerung stellen und die Hälfte der europäischen Frauen würde dann einen Hijab tragen.»
Ein Horror-Szenario: Zum Glück gibt es besonnene Gegenstimmen:
«Diese Annahme sei absurd, entgegnet Islamwissenschafter Reinhard Schulze im Gespräch mit kath.ch. Schulze ist Professor am Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie der Universität Bern:
«Ein solches Szenario wurde schon lange vor der aktuellen Fluchtbewegung beschworen. Doch allein schon ein Blick auf die Statistik zeigt, wie absurd diese Annahme ist. Eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in Westeuropa ergäbe sich bis 2046 nur dann, wenn jährlich mindestens 10 Millionen Muslime einwanderten, das Bevölkerungswachstum unter den muslimischen Einwohnern bei über 4 Prozent jährlich läge, das Bevölkerungswachstum der europäischen Nichtmuslime bei unter 0,6 Prozent läge und zudem sich tatsächlich alle Einwanderer, die über einen islamischen Hintergrund verfügen, als fromme, praktizierende Muslime verstünden. Des Weiteren müssten dann alle Muslime in Europa einträchtig zum Konsens gefunden haben, dass Frauen einen Hijab zu tragen hätten. Verkürzt man den Zeitraum gar auf 20 Jahre, dann müssten pro Jahr 16 Millionen Muslime nach Europa einwandern.
Realistische Schätzungen hingegen gehen davon aus, dass selbst bei einer kontinuierlichen Einwanderquote von 500’000 Menschen mit islamischen Hintergrund diese im Jahre 2046 nur etwa sechs bis sieben Prozent der westeuropäischen Bevölkerung bilden würden. Dabei ist noch nichts darüber ausgesagt, welche Bedeutung der Islam für diese Menschen haben wird und welcher islamischen Tradition sie sich verpflichtet sehen werden.»
Ja, bleiben wir realistisch:
-80 bis 90 Prozent der eingewanderten Muslime interessieren sich kaum für den Glauben und sind alles andere als «missionarisch».
-Allen geht es um menschliches Leben und Überleben. Darum sind sie zu uns gekommen, nicht um die Frauen in unsrem Land zu «verschleiern».
-Statt als Bedrohung können sie als Bereicherung wahrgenommen werden, wenn es gelingt, sie zu integrieren. Ich denke an den Dorfzahnarzt in meiner Heimtaggemeinde, einen Ägypter, der sich sogar zur Verfügung stellte, die Kulturkommission der Gemeinde zu präsidieren. Als Einbürgerter kandidierte er – für die BDP ….
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


