Markus Baumgartner

Wieso Mönche Kaffee mögen

Kaffee ist für die meisten aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch bisher wissen wir wenig darüber, wie Kaffee für uns so selbstverständlich wurde. Interessant ist, dass die Kaffeekultur von der Kirche und nicht von Starbucks erfunden wurde.

Die Kaffee-Pflanze stammt aus Äthiopien. Das steht fest. Folgende Geschichte aus Äthiopien ist wie Wilhelm Tell in der Schweiz zwar mehr eine Legende, aber umso schöner: Ums Jahr 850 fiel eines Abends den Mönchen im Kloster auf, dass sich ihre Ziegen beim Eindunkeln nicht müde hinsetzten, sondern bis in die Nacht hinein munter umhersprangen. Die Mönche stellten fest, dass die Tiere unbekannte Beeren gefressen hatten. Neugierig geworden, probierten sie selbst von den dunkelroten Früchten. Sie waren aber vom bitteren Geschmack so enttäuscht, dass sie die Beeren umgehend ins Feuer warfen. Und siehe da: Kurz darauf verbreitete sich ein köstlicher Duft. Die Mönche löschten das Feuer und brauten aus den inzwischen gerösteten Kaffeebohnen ein schwarzes Getränk. Es half ihnen von da an, beim Nachtgebet wach zu bleiben. 

Damals wurden die Blätter und getrockneten Kirschen, ähnlich wie Tee, in heissem Wasser aufgegossen und dann getrunken. Erst später, als Kaffee durch die arabische Welt ins Osmanische Reich und dann nach Istanbul und Europa gelangte, entsprach die Zubereitung bereits stärker der heutigen Form. 

Auch Cappuccino ist «christlich»

Christlichen Ursprung hat auch der Cappuccino: Er hat seinen Namen vom italienischen Wort für Kapuze oder Kapuziner (cappuccio). Aber der Cappuccino ist eigentlich kein Italiener, sondern ein Österreicher: Der ursprüngliche «Kapuziner» war ein Mokka-Kaffee, der mit Schlagsahne in Wiener Kaffeehäusern serviert wurde. Die Sahnehaube erinnerte an die braunen Roben mit spitzen, weissen Kapuzen der Kapuzinermönche, woher auch der Name stammt. Cappuccino gehört heute zu den beliebtesten Getränken. Das Wichtigste bei der Herstellung ist ein harmonisches Gleichgewicht von Espresso, heisser Milch und feinporigem Milchschaum. Der Genuss von gerösteten Bohnen und aufgeschäumter Milch wurde zur Lebenskunst entwickelt.

Coffeehouse überzeugt mit Konzept

Bemerkenswert ist auch, dass ein gläubiger Christ Winner Best of Suisse Gastro Award 2020 (Kategorie Coffee&Bistro) wurde: Michael K. Häfeli war über 13 Jahre CEO des Sozialunternehmens WG Treffpunkt im Kanton Solothurn, bevor er letztes Jahr umsattelte und das im Rahmen vom WG Treffpunkt lancierte Bloomell Coffeehouse in Olten übernahm. Er ist überzeugt: «Viele gute Geschichten beginnen bei einer Tasse Kaffee.» Und bei ihm kommt das diakonische Herz weiter zum Tragen: Das Team von Bloomell Coffeehouse  setzt sich nebst Fachmitarbeitenden auch aus leistungsbeein­trächtigten Menschen zusammen, um ihnen in der Arbeitswelt eine Chance zu geben. Viele positive Rückmeldungen zeigen, dass dieses Konzept gut ankommt. 

Lange warnten Mediziner, Kaffee schädige das Herz oder entwässere den Körper. Aktuelle Studien sagen etwas anderes und haben das Image von Kaffee gründlich aufpoliert. Sie bescheinigen einem regelmässigen, aber natürlich nicht exzessiven Kaffeegenuss sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung: Kaffee kann offenbar nicht nur stressige Arbeitsstunden verlängern, sondern laut einer US-Studie auch das Leben, wie das «Geo Magazin» schreibt  Sind das wohl alles Gründe, wieso das Kirchen-

Bild zvg
10. Oktober 2020 | 22:52
von Markus Baumgartner
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