Wien 1911
Ausnahmsweise ein zweiter Beitrag am selben Tag, dies aus konkretem Anlass: Die Premiere von Arthur Schnitzlers «Tragikömödie» «Das weite Land» heute abend in unserer Provinzstadt. Ganze fünf Seiten opferte ihr das «Tagblatt», ich war echt überrascht. Vielleicht aber erfolgt dieser Aufwand aus dem Grunde, den ich hier zu formulieren wage:
Es gibt wohl zeitlose Stücke, zeitlos ganz einfach, weil sie Grundthemen des Menschen ansprechen, die ganze Jahrhunderte und Generationen überdauern. So etwa Shakespeare (mit «Romeo and Juliet», «Macbeth», «Othello» und «A midsummer night’s dream»), Schiller (mit «Die Räuber», «Maria Stuart» und Wilhelm Tell»), Moliére (mit «Le malade imaginaire» und «Le misanthrope»), Strindberg (etwa mit «Nora») und auch unsere grossen beiden Schweizer mit einigen Stücken (so «Andorra» und die «Alte Dame»).Aber dann gibt es eben auch Autoren, die mit ihren Stücken und Themen so klar an eine ganz konkrete Zeitepoche gebunden sind, dass man sich fragen kann, ob diese Stücke überleben können, wenn die Epoche aus unserem Blick geschwunden ist, ob sie wirklich zeitlos sind. Ich erlaube mir das zu fragen etwa bei George Bernard Shaw, Hugo von Hofmannsthal, Gerhard Hauptmann und eben Arthur Schnitzler.
Der Abend wird manches weisen. Geht uns das etwas an? Morgen ganz sicher mehr.
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