Wie war das nun mit diesem Priester auf Besuch?
In seinem grossen (und lesenswerten) Interview mit der NZZ Ende vorletzter Woche kam der Präsident der SBK, Bischof Charles Morerod, gegen Ende nochmals auf ein Thema zu sprechen, das nun schon einige Zeit in den Medien herumgeistert und das in seiner Klarheit wohl fact und nicht «fake» und auch nicht «se non è vero è bon trovato» ist. Er begann mit seiner Einschätzung, dass Papst Franziskus von vielen als (kirchenintern und theologisch gesprochen) zu progressiv beurteilt werde, und kam dann auf einen speziellen Fall zu sprechen, den der Papst gegenüber Schweizer Gesprächspartnern thematisiert hatte, und der ihn zu einer Beurteilung brachte, dass in der Schweizer Kirche die Laien(Theologen) die Hosen an und das Sagen hätten, sprich in dem Fall die Priester die Hosen unten und das Nachsehen hätten.
Der Fall, der sich wohl wirklich so abgespielt hat: Ein Priester (uns nicht bekannt, welcher Nationalität und welcher kirchenintern-ideologischen Ausrichtung) meldete sich an einem Sonntag in einer Schweizer Pfarrei und wünschte, im Sonntagsgottesdienst konzelebrieren zu dürfen. An diesem Sonntag nun aber war in dieser Pfarrei ein Wortgottesdienst (ob mit oder ohne Kommunionfeier, ist uns ebenfalls unbekannt) mit einem Pastoralassistent ausgeschrieben, und darum wurde dem fremden Priester der Wunsch verwehrt. Er hörte den negativen Bescheid so, dass ihm gesagt worden sei, dass sei hier nun der Sonntag des Laientheologen, und berichtete dies, wohl nach Rom zurückgekehrt, mit Befremden und Empörung. Und irgendwie gelangt dies nun in des höchsten Kirchenmannes Ohr.
Ich nehme nun eine Detail-Exegese dieses Vorganges vor:
a) Es muss eine Deutschschweizer Pfarrei gewesen sein. Sowohl in einer französisch- wie einer italienischsprachigen Pfarrei und Kirche scheint mir dies unmöglich.
b) Der Priester hat sicherlich nicht gefragt, ob er zelebrieren oder gar predigen dürfe, sondern ob er konzelebrieren könne. So frech, als Fremder solches zu fordern, ist kaum ein Mitbruder.
c) Der Priester war wohl nicht deutscher Muttersprache, Wäre er das gewesen, hätte er in seiner Berichterstattung nicht vom «Sonntag des Laientheologen» gesprochen. Dann hätte er gesagt: Auf dem Gottesdienstplan war ein Laientheologe vorgesehen.
c) Es war ihm bis zu seinem Anliegen wohl auch nicht bekannt, dass gar keine Messe vorgesehen und angekündigt war. Warum ich dies annehme? In dubio pro reo. Hätte er es gewusst, hätte er anders und vorsichtiger fragen müssen. Das gebietet der Anstand.
d) Ich komme zur vorläufigen Schlussfolgerung, dass da zwei grundverschiedene Vorstellungen, was an einem Sonntag in einer katholischen Kirche gefeiert wird, aufeinander gestossen sind.
e) Und nun mein springender Punkt (ich bin Kantianer): Sofern meine Annahmen zutreffen, dass hier ein fremdsprachiger und anständig fragender Priester auf eine Deutschschweizer Pfarrei mit einem fertig ausgearbeiteten Ablauf eines Sonntags-Wortgottesdienstes traf, ist die entscheidende Frage, wie viel Zeit geblieben wäre, sich miteinander (Priester, Prediger, Organist, Sakristan) zu arrangieren. Ich würde nicht 10 Minuten vor Beginn einen völlig fremden Priester mit ins Boot nehmen. Wäre die Frage aber einen halben Tag vorher gestellt, hätte man sich wohl finden sollen.
f) Zum Schluss: Ich selber sitze gerne in fremde Sonntags-Eucharistiefeiern (ich lese Gottesdienstordnungen auch in Fremdsprachen, in einen Wortgottesdienst ginge ich nicht) weit hinten hinein und hüte mich, mich zu outen.
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