Walter Ludin

Wie sollen Priester ausgebildet werden?

Für welche Kirche sollen Priester ausgebildet werden? Über den Zusammenhang zwischen Priester- und Kirchenbild findet sich in der Herder Korrespondenz ein angeregtes Gespräch. Ulrich Ruh sprach mit dem MainzerRegens Udo Bentz(1967). Hier ein Auszug, zum Diskutieren ….
HK: Es wird nicht ausreichen, dass Priester sich untereinander gut verstehen, im Sinn einer klerikalen Solidarität. Sie werden nicht nur weniger, sondern sind immer auch eingebunden in ein ganzes Ensemble von hauptamtlichen und vor allem ehrenamtlichen Mitarbeiter an den verschiedenen Orten des kirchlichen Lebens…. Bentz: Mit Beziehungsfähigkeit im Sinne von Communio-Kompetenz meine ich gerade die Fähigkeit, mit sehr unterschiedlichen Charismen, Sendungen und Begabungen umgehen und ein Netz knüpfen zu können, das dann wiederum die eine gemeinsame Sendung der Kirche deutlich macht. Deshalb bin ich der Überzeugung, dass das Zusammenwirken der verschiedenen kirchlichen Berufe schon in der Ausbildung von Anfang an eingeübt werden muss. Meine Erfahrung dabei ist, dass eine solche Ausbildung mit je eigenen, aber immer auch wieder gemeinsamen Ausbildungselementen für alle kirchlichen Berufe ein besseres gegenseitiges Verstehen ermöglicht. Voraussetzung: Als Ausbildungsverantwortlicher darf man die Berufsprofile nicht verwässern, sondern muss sie in einem bestimmten Sinne schärfen. Man muss eine grössere Sensibilität sowohl für das Gemeinsame und als auch für das Unterscheidende gleichermassen fördern. Aber wir müssen noch mehr als bisher darauf achten, dass der konkrete Bezug zur Pastoral in den Gemeinden ausgebaut wird. Das Entdecken von Gemeinsamkeit setzt Interesse am Anderen voraus. Es darf keine klerikalistische Verengung, auch keine falsche Fixierung auf die hauptamtlichen, kirchlichen Berufe geben. Die Sendung der Kirche in die Welt geschieht ja nicht primär durch Hauptamtliche, sondern lebt von einem vertieften Verständnis für die Berufung eines jeden getauften Christen. Deshalb braucht es den Blick auf die Vielfalt, in der die Kirche ihre Sendung vollzieht. Es geht darum, die geistlichen Aufbrüche in den Gemeinden wahrnehmen und begleiten zu können. Priesterlicher Dienst ist Dienst am Gottesvolk inmitten des Gottesvolkes. Das muss eingeübt werden.
HK: Was kann man denn zukünftigen Priestern heute noch als ihr Spezifikum vermitteln? Theologische wie auch spirituelle Kompetenz gibt es in der Kirche längst nicht mehr nur beim Klerus, Leitung wird vielerorts durch Seelsorgeteams wahrgenommen, in denen auch Laien vertreten sind. Was ist das Besondere am priesterlichen Dienst, dem dann auch die Ausbildung Rechnung tragen muss? Bentz: Die katholische Kirche ist ihrem Wesen nach sakramental. Allerdings steckt das sakramentale Bewusstsein in unsrer Kirche meiner Wahrnehmung nach in einer Krise. Wir denken oft zu sehr von Funktionen, Strukturen und Kompetenzen her. Das ist auch wichtig, aber es nicht das Entscheidende. Das sakramentale Verständnis von kirchlichem Amt bleibt wesentlich für die Identität des Priesters. Er soll durch sein Wirken zeichenhaft-sakramental Christus zur Darstellung bringen. Es geht dabei aber nicht um eine Christusrepräsentanz im Sinn einer klerikalen Selbstverengung. Die innere Haltung muss die des Johannes des Täufers sein: Ich bin es nicht. Es ist ein anderer, auf den ich verweise – aber mit meiner ganzen Person. HK: Aber lassen sich die konkreten Priesteramtskandidaten auf diese subtile theologische Unterscheidung ein oder greifen sie nicht doch lieber nach dem neoklerikalen Strohhalm, durch den sie sich ihre Identität zu sichern versuchen? Bentz: Man kann die heutigen Kandidaten nicht über einen Strang schlagen. Es gibt aber eine grosse Suche nach Identität. Darauf müssen wir mit einer klaren Profilierung antworten: Aber Identität des Priesters ist nicht primär in Unterscheidung zu bestimmen. Es braucht sicher einen Raum, in dem Gespräche über das Spezifische des priesterlichen Dienstes und seiner Spiritualität möglich sind. Aber solche Bemühungen um Selbstvergewisserung dürfen nicht sozusagen in einem abgeschlossenen Milieu stattfinden. Darin liegen grosse Gefährdungen. Der Priester muss sich künftig noch mehr in einer Spiritualität des Volkes Gottes auf das gemeinsame Zeugnis des Christseins besinnen und von da aus eine priesterliche Spiritualität entwickeln. Das Wort des Heiligen Augustinus gilt auch hier: Mit euch und für euch!

2. Juli 2014 | 01:01
von Walter Ludin
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