Br. Paul Tobler

Wie läuft im Kloster die Zeit?

Endlich ein neuer Blogeintrag. Lange Zeit ist verstrichen. Höchste Zeit… Das nehme ich als Anlass, etwas über die Zeit nachzudenken. Wie stellen Sie sich den Klosteralltag vor? Manche Leute vermutlich recht «zeitlos». Eine idyllische Realität? Der bekannte Wiener Zisterzienserpater Karl Wallner formulierte es vor einiger Zeit an einem Vortrag humorvoll im Bild vom Mönch, der tagsüber friedlich durch den Garten streift, seinem Gemüse beim Wachsen zuschaut und über die Natur im Klostergarten entzückt ist. So nimmt er sein Kloster nicht wahr. Ich meines bisher auch nicht.
Sicher führen die dicken Klostermauern, die langen Gänge und die Ruhe beim Betreten des Klosters für viele automatisch zu einer Verlangsamung. Und vermutlich auch zum Eindruck einer gewissen Zeitlosigkeit. Wir haben viele Gäste, die ein paar Tage «Kloster auf Zeit» machen, Telefon und Laptop etwas weglegen – und Zeit haben. Zu hören bleiben vielleicht noch tickende Zeitnehmer, die da und dort in den Gängen stehen und feierlich die volle Stunde melden. Ausserdem natürlich die Kirchenglocke, welche sich rechtzeitig vor der nächsten «Gebetszeit» hörbar macht.
Nun ist ja aber auch das «ora et labora» weit bekannt. Mönche haben auch Arbeit. Etwa der alltägliche Betrieb: putzen, aufräumen, tischen, backen, Post holen, Büroarbeit. Oder, dem Heiligen Benedikt wichtig, aufmerksame Sorge für kranke und betagte Mitbrüder. Die Liturgie: Gottesdienste vorbereiten und Kirchen pflegen. Zentrale Aufgabe für uns ist das klostereigene Gymnasium, wo verschiedene Mönche unterrichten, in der Schulleitung sind oder auch indirekt unterstützen: etwa durchs Backen von Brot für die Mahlzeiten. Weitere klösterliche Aufgabe ist sodann Seelsorge in verschiedenen Formen. Man kann manchmal einiges zu tun haben.
Mich fasziniert aber genau hier das «geistliche Beruhigungspotential», das in unserem Alltag steckt. Egal was ist oder war, unser regelmässiges Psalmengebet in der Kirche ist nicht hektisch. Auch die strukturierten, schweigend eingenommen Mahlzeiten mit ihrer Tischlesung nicht. Und auch nicht die vorgesehenen persönlichen Zeiten für Lesung und Gebet. Oder unser Schweigen in den Gängen. Immer wieder staune ich und sehe es als Schatz dieser Lebensform, wie diese Elemente auch hektischere Arbeitsphasen beruhigen und erfüllen.

4. Februar 2015 | 15:47
von Br. Paul Tobler
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