Walter Ludin

Wie konservativ ist Ratzinger?

Liturgie als Grund des ZerfallsIm hier schon mehrfach zitierten Buch von Peter Bürger lese ich einen Abschnitt, der mich schaudern lässt:In Ratzingers Autobiografie kann man nachlesen … «Ich war bestürzt über das Verbot des alten Missale, denn etwas Derartiges hatte es in der ganzen Liturgiegeschichte nicht gegeben […] Man brach das Gebäude ab und baute ein anderes […] Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht […] Wenn aber in deren Liturgie nicht mehr die Gemeinschaft des Glaubens […] erscheint, wo erscheint Kirche in ihrem geistlichen Wesen dann noch?».
Bürger kommentiert:»Wie viele Katholiken in Europa teilen aufgrund eigener Erfahrungen mit der Liturgie des Konzils diese hochdramatische Diagnose und welche Impulse darf man von einem Papst erwarten, der die Kirchenkrise so deutet? Geht es hier nicht um ganz persönliche Verlustängste und Verunsicherungen? Spricht hier nur ein Dialogpartner der Traditionalisten oder nicht vielmehr ein ausgewiesener Parteigänger der traditionalistischen Sache?»(S. 166f)
So weit Peter Bürger. Nun, dass Joseph Ratzinger konservativ ist, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Man höchstens seinen Wählern vorwerfen, dass sie ihn an die Spitze der Weltkirche gestellt haben.Und man begreift langsam, wie Bürger es antönt: Die zu den Traditionalisten hin ausgestreckte Hand ist kein Betriebsunfall. Sondern entspricht dem Naturell des Theologen Ratzinger. Wie viel Unheil wartet noch auf uns?

4. Dezember 2009 | 01:06
von Walter Ludin
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