Wie islamisch ist der Terror von Muslimen?
»Wir sollten Terrorakte nicht als Teil der Islamdebatte, sondern als politische Ereignisse diskutieren«, fordert der Politikwissenschaftler Farid Hafez von der Universität Salzburg. »Wir machen es uns zu leicht, wenn wir die Anschläge mit dem Islam erklären.«
Dazu schreibt Claudia Mende im neuesten Publik-Forum:
«Wenn Terroristen sich aus dem Wortschatz des Islams bedienen, heisst das noch lange nicht, dass sie Muslime sind. (…) Man geht den Tätern auf den Leim, wenn man über ihrer religiösen Rhetorik die sozialen und politischen Ursachen von Dschihadismus missachtet.»
Die gleiche Meinung hat der französische Soziologe Michel Wievorka geäussert, der sich seit Jahren intensiv mit den Ursachen von islamistischer Jugendgewalt in den Stadtvierteln der Migranten beschäftigt. Für ihn ist offensichtlich, dass nicht Religion, sondern das Empfinden radikalen Ausgeschlossenseins die Hauptursache islamistischer Gewalt ist. »Das sind keine jungen Männer, die jahrelang heilige Texte studieren, bevor sie sich radikalisieren«, sagte der Jude Wievorka in einem Interview. Im Gegenteil, sie hätten oft eine Karriere als Kleinkriminelle oder Drogenhändler hinter sich, bevor sie in den Dunstkreis des Dschihadismus gerieten. Ähnlich hat sich auch der Islamismusforscher Olivier Roy geäussert. Als Hintergrund der Verbrechen spiele auch eine »Populärkultur der Gewalt« unter jungen Männern eine Rolle, die von gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen geprägt sei.
Diskriminierung bei der Jobsuche, Alltagsrassismus und Gettoisierung in den Banlieues werden durch die Wirtschaftskrise verstärkt und führen zu einem weit verbreiteten Gefühl von Ausgrenzung bei vielen Franzosen arabischer Herkunft.
Die Bilanz von Claudia Mende: «Migranten fühlen sich als Versager. Wenn ihnen dann salafistische Prediger Aussichten auf einen Heldentod als Attentäter oder als Kämpfer auf den Schlachtfeldern Syriens präsentieren, sehen sie ihr ramponiertes Selbstwertgefühl aufgewertet. Sie wollen sich als Helden fühlen, um ihrer Existenz jene Bedeutung zu verleihen, die sie so schmerzlich vermissen – was umso besser gelingt, wenn ihre Taten medial vor der ganzen Welt ausgebreitet werden.» —
Diese Stimmen sollten nicht überhört werden; auch wenn dann in vielen Köpfen das Feindbild «gewalttätiger Islam» ins Wanken gerät.
Übrigens: Wer hat beim norwegischen Terroristen B., der sich lauthals «Christ» nennt und behauptet, für die christlichen Zivilisation zu kämpfen, von «christlichem Terrorismus» gesprochen?
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