Walter Ludin

Wie «heilig» ist JPII.?

Über den «herorischen Tugendgrad» von Johannes Paul II. ist in diesen Tagen viel zu lesen. Aber von seinen andern Seiten? Über den Mann, der so unbarmherzig war gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten und Priestern, die ihr Amt aufgaben – nachdem er eine so schöne Enzyklika über die Barmherzigkeit geschrieben hatte … Oder der Ernesto Cardenal wie einen Schuljungen mit erhobenem Zeigefinger abkanzelte …
Diktatorisch
Zufällig las ich am Abend vor der Ankündigung der Heiligsprechung in HP Oschwalds Buch «Vatikan» (1998) das Dekret über die Papstwahl. Grauenhaft, wie Johannes Paul II. in Ich-Form alles bis ins letzte anordnet. Vor allem verbietet er aufs strengste einem während Sedisvakanz zufällig tagenden Konzil oder einer Bischofs-Synode, an den Normen zur Papstwahl auch nur das Geringste zu ändern, geschweige denn, den Papst anstelle des Kardinalskollegiums zu wählen.
«So festigt ein absoluter Herrscher, der sich als Stellvertreter Gottes fühlt, seine Macht», bemerkt Kollege Oschwald zum Dekret.
Immerhin gibt’s ein «riesiges» Zugeständnis: «Dennoch beabsichtige ich nicht zu verbieten, dass während der Sedisvakanz ein Gedankenaustausch über die Wahl stattfinden kann.» Wirklich grosszügig, lieber heiliger Heiliger Vater …
OPUS DEI
Übrigens: Oschwald gesteht, dass ihm der polnische Kardinal bei seiner Wahl nicht gänzlich unbekannt war. Der Journalist, der u.a. für das damalige «Vaterland» schrieb, hatte öfters auch auf Deutsch von ihm Reden erhalten, zur gefälligen Nutzung. Absender: Opus Dei.  Dessen Rechnung ist offensichtlich aufgegangen, in jeder Beziehung.   

7. Juli 2013 | 01:40
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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