Walter Ludin

Wie arbeitet die Glaubenskongregation?

«Die theologischen Glaubenswächter schauen nur nach rückwärts und berücksichtigen weder die theologische Forschung der Gegenwart noch machen sie sich Gedanken darüber, ob eventuell die abendländische Darstellung des Glaubens in Asien überhaupt verstanden wird, wo die Zeit der religiösen Kolonialisierung längst vorbei ist.»
Wer wollte behaupten, dass diese Kritik, die Hanspeter Oschwald vor genau 15 Jahren in seinem Vatikanbuch formulierte, heute nicht mehr gültig ist. Auch das Folgende lässt sich bis heute feststellen:
«Die vatikanische Bürokratie hat keinerlei Absicht, sich etwas einfallen zu lassen, sich inspirieren zu lassen oder schöpferisch nachzudenken. Sie will alles, nur nicht neue Horizonte öffnen.» Die Worte stammen von einem Priester, der nach jahrelanger Arbeit in der Glaubenskongregation wieder in die heimatlichen USA zurückgekehrt ist, um möglichst nie wieder mit den Glaubenswächtern in Rom zu tun zu haben.
Nach seinen Erfahrungen will die Kongregation nur eines: «Alles zusammenhalten, was noch zusammenzuhalten ist, und manchmal auch noch mehr. Glaubensfragen werden nie offen zur Diskussion gestellt, sondern nur nach alten Dogmen gemessen.» Theologische Forschung ist den Glaubenswächtern ein Gräuel. …
Solange eine neue Geschäftsordnung die Glaubenswächter nicht zwingt, wenigstens theologischen Fortschritt nicht im vornherein als teuflisch zurückzuweisen, wird auch ein fortschrittlicher Papst sich nicht durchsetzen können. Der Apparat steht gegen ihn. Die Denkweise erinnert einen deutschen Prälaten nach wenigen Monaten Arbeit in der Kurie an die Ausrede aller Verwaltungsbeamten: «Das haben wir immer so gemacht. Oder: Das haben wir nie so gemacht.»
 

19. Juli 2013 | 01:22
von Walter Ludin
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