Wider die Gleichgültigkeit
Auch das aktuelle «Publik-Forum Extra» (2/10, März/April) ist wieder ein höchst beachtliches und zudem wie seine Vorgänger auf hohem ästhetischem Niveau stehendes: «Mir doch egal. Über die Gleichgültigkeit», eine ganze Reihe von Artikeln/Beiträgen zum Thema der grössten Lasters unserer Zeit, der zivilisierten Form der Rohheit, wie Doris Weber im Editorial zitiert.
Einmal steht da der ethische und wohl auch psychohygienische Wert einer Haltung der «Unerschütterlichkeit der Seele», seit der Philosophie der Antike gepriesen, andrerseits ist da das Wissen um die Fähigkeit des Menschen, vorbei und weg zu schauen (dokumentiert an Holocaust und Jugend-Gewalt unserer Tage), das träge Sich-nicht-einmischen-Wollen (nicht mal feige könne man es nennen, so Elie Wiesel), und dann ist es die Ablehnung der acedia als «Todsünde».
Das Schlusswort hat Friedrich Schorlemmer: «Klare Haltung, klare Worte, klare Absichten, klare Ziele – das ist das Ethos, das Pathos der Bibel, wobei nirgendwo geleugnet wird, dass der Mensch ein Wesen ist, das in sich gekrümmt ist, wie Martin Luther bekannte.»
Anmerkung: Jede/r von uns geht einen Lebensweg, auf dem sich Werte und Orientierungen ändern. Wer einmal linksaussen stand, wird plötzlich liberal-konservativ, wie der hier Schreibende. Das darf sein. Was nicht sein darf, ist sich zusätzlich krümmen zu lassen durch irgendeine als schicksalshaft empfundene Macht des Faktischen. Die gibt es nur für den/die, der/die sich in der Gleichgültigkeit verkriecht. Unerschütterlichkeit hingegen meint Autonomie, Selbstachtung, aufrechter Gang.
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