Konzilsblogteam

Wer steckt hinter wem?

Dass Konzilsredner auch ihre «ghostwriter» hatten, dürfte naheliegend sein. Als der bekannte reformatorische Theologe Karl Barth (1886-1968) erfuhr, dass eine bestimmte Konzilsrede von Kardinal Suenens wortwörtlich von Hans Küng verfasst worden sei, war er davon beeindruckt. In den Tagebuchaufzeichnungen, die Eberhard Busch als Assistent von Karl Barth führte, hält jener fest: «Er hat bei dieser Gelegenheit erfahren, dass überhaupt ein grosser Teil der Konzilsreden von Periti geschrieben worden ist. Offenbar sei es dabei wie in einem Kasperlitheater her- und zugegangen: oben fein gekleidete Puppen und verborgen innendrin oder unten drunter eine kluge Hand, die die Puppen führt, und eine Stimme, die sie reden lässt. Deshalb seien die Kämpfe am Konzil vor allem gegenseitige Gefechte der – doch nur als Berater beigezogenen – Theologen und theologischen Richtungen gewesen. Barth entsann sich bei dieser Gelegenheit, in seinem Leben als Theologe bisweilen ähnlich im Verborgenen durch einen anderen geredet zuhaben… Ein Fall für Psychologen wäre es…, einmal abzuklären, wie die Einschätzung und Bewertung von Texten anscheinend dadurch bestimmt ist, wen man als deren Verfasser annimmt.»
(Giancarlo Collet)

17. April 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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