Wenn Goethe 260 wäre..
Und ein kretischer Krater (s.PS) Ich konzentriere mich jetzt auf den letzten Satz des heutigen Evangeliums: «Wer dieses Brot ist, wird leben in Ewigkeit.»Wie können wir uns dieses ewige Leben vorstellen? Es übersteigt alle unsere Vorstellungen. Jedenfalls ist es nicht bloss eine Verlängerung des irdischen Lebens. Sonst hätte der jüdische Regisseur Woody Allen Recht mit seiner Aussage: «In der Ewigkeit ist es langweilig. Vor allem gegen Schluss.» …. Seien wir froh, dass das irdische Leben nicht endlos ist. Sicher, es kann sehr schmerzlich sein, von einem lieben Menschen Abschied zu nehmen. Und es ist für die meisten nicht gerade gemütlich, die eigene Sterblichkeit sich vor Augen zu halten.Und doch: Die Vorstellung, weitere Jahrhunderte, ja Jahrtausende auf dieser Welt zu verbringen: wie grauenhaft. Eine Vorstellung, die in der Figur der Untoten/der Vampire unzählige Male in die Literatur und in den Film einging; zum Beispiel in Werner Herzogs «Nosferatu – Grauen der Nacht». Obwohl ich den Film schon vor langer Zeit, 1979 sah, erinnere mich an eine Szene, in welcher Klaus Kinski als Vampir sich beklagt: «Der Tod ist nicht alles. Es gibt Schlimmeres. Jahr für Jahr, Jahrhundert für Jahrhundert die ewig selben Nichtigkeiten.»Oder noch kurz der gesellschaftliche Aspekt: Wenn unsere Generation nicht eines Tages weggeht, haben die kommenden kaum Chancen. Ich las kürzlich eine fiktive Beschreibung der Theaterwelt. Darin hiess es (ich zitiere aus dem Gedächtnis, Max Frisch habe erst im Alter von 80 Jahren sein erstes Stück aufführen können. Das Problem sei, dass Goethe mit seinen 260 Jahren immer noch jährlich ein neues Stück schreibe und so die Spielpläne verstopfe, so dass junge Dramatiker keine Aufführungs-Chancen hätten.(….)Stans St. Klara 9.30, Wohnheim 10.40. Und auch das noch:Berauschender WeinPS für den Blog: In der Lesung aus dem Epheserbrief steht heute: «Berauscht euch nicht mit Wein.» Es war 1984, als ich auf Kreta im Abendgottesdienst diese Lesung vortrug. Nach der Messe sagte mir der Sakristan, er sei zu einer Hochzeit eingeladen und ich könne mitkommen. Ich stellte mir eine Familienfeier vor, nur etwas «umfangreicher» als bei uns. Doch da kam die Überraschung: Der grosse Platz vor dem Kloster Arkadi (kretisches Nationalheiligtum) war mit über 1000 Menschen gefüllt. Es gab Schaffleisch aus riesigen Töpfen. Und Wein, «nicht von Fabrik, von Bauer» (so Lukas der Sakristan). Ich bemerkte nicht, dass er stärker war als «handelsüblich». Und wie er mir in den Kopf stieg. Am nächsten Morgen musste ich mit verkaterter Stimme obigen Text vortragen ….
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