Wenn die Schweiz 3 Millionen syrische Flüchtlinge aufnehmen müsste .....
(…)Gerechtigkeit für die Fremden ist ein Thema des heutigen Evangeliums. Zwar weigert sich Jesus zuerst, der fremden Frau zu helfen. Wir wollen nicht über den Grund rätseln. Das wäre ein Thema für eine eigene Predigt. Das wichtige: Schliesslich geht Jesus doch noch auf die Nöte der fremden Frau ein.
Blicken wir in die Gegenwart: Wie stehen wir zu den Fremden? Wie gehen wir mit ihren Nöten um? Wer das Wort Fremde hört, denkt sicher bald einmal an die Asylsuchenden. Ja, es gibt ohne Zweifel ein Asylproblem. Ich frage Sie jetzt nicht, worin dieses Asylproblem besteht. Die meisten würden wohl auf die Schwierigkeiten hinweisen, in der Schweiz genügend Asylunterkünfte zu finden.
Doch ich wage die provozierende Frage: Ist das nicht eine einseitige Sicht? Es gibt die Kehrseite des Problems. Das Asylproblem ist noch viel, viel mehr ein Problem der Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden. Sie stehen buchstäblich mit leeren Händen da. Viele müssen auch in den Flüchtlingslagern um ihre Leben. In vielen Orten sind Vergewaltigungen leider alltägliche Wirklichkeit.
Und was die Probleme der Aufnahmeländer betrifft: Sind wir da nicht in einer verhältnismässig komfortablen Lage? Ein Beispiel: Viele, auch kirchliche Kreise laden den Bundesrat ein, 5000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Zahl erscheint vielen hoch, ja zu hoch. Aber es gibt einen dramatischen Zahlenvergleich: Der Libanon wird bis Ende Jahr voraussichtlich 1,6 Millionen syrische Flüchtlingen beherbergen müssen – bei einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen. Die Schweiz hat bekanntlich gut 8 Millionen, also knapp die doppelte Zahl.
Man rechne: Wenn auch die doppelte Zahl von Flüchtlingen aufnehmen müssten, wäre das rund 3 Millionen. Man stelle sich das vor: Wir haben Mühe, 5000 einzuladen. Wenn wir in der gleichen Situation wären wie der Libanon, wären es etwa 3 Millionen. «Unmöglich», sagen Sie mit Recht. Doch das Unmögliche muss möglich gemacht werden im Libanon, einem Land, das durch eine lange Reihe von Bürgerkriegen ohnehin schon geschwächt ist.
Selbstverständlich erwarte ich keineswegs, dass wir eine solche Anzahl von syrischen Flüchtlingen einladen. Aber einige Tausend mehr: Auch dann müsste sicher niemand von uns hungern und frieren.
Ich weiss: Der eine oder die andere von Ihnen werden mir vorwerfen, eine politische Predigt zu halten. Aber das Thema hat mit der Kernbotschaft des Evangeliums zu tun. In der Gerichtsrede wird Jesus bekanntlich sagen: «Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.» Oder eben: «Ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen.» Ich kann nichts dafür: Es steht so in unserer Bibel.
Nun, ich möchte nicht mit einem negativen Ton abschliessen. Früher haben oft die Prediger ein Gebet an den Schluss gestellt. Ich möchte es auch tun mit einem Gebet von Rolf Schweizer, das an manchen Orten auch als Kirchenlied bekannt ist. Es trägt den Titel «Damit aus Fremden Freunde werden»:
Damit aus Fremden Freunde werden, kommst du als Mensch in unsre Zeit: Du gehst den Weg durch Leid und Armut, damit die Botschaft uns erreicht. Damit aus Fremden Freunde werden, gehst du als Bruder durch das Land, begegnest uns in allen Rassen und machst die Menschlichkeit bekannt. Damit aus Fremden Freunde werden, lebst du die Liebe bis in den Tod.
(Stans So 9.30 Frauenkloster; 10.40 Pflegeheim Nägeligasse)
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