Welt-Auffuehrung «PASSION» 3. Karfreitag
Bereits der Hohe Donnerstag hat in seiner «MESSE" aufgezeigt,
dass Christ-sein als ein «Public-Service» im Sinne der Hingabe
proklamiert wird. Nun zeigt die menschliche Lebens-Erfahrung (wahrscheinlich seit es ueberhaupt Menschen gibt), dass HINGABE
auch aeusserst gefaehrlich werden kann. Wir Menschen leben in einem komplexen multiplen Interessen-Geflecht. Darin sind Kompromisse, Missverstaendnisse und Gefaehrdungen normal. Konflikte entstehen notwendigerweise. Und wie «man» weiss: Konfliktloesungs-Methoden entwickeln sich; gelten als kulturbedingt. Und der uralte Gegensatz
Du oder Ich scheint bis heute zu ueberleben.
JvN mit seiner eigenartigen, auch unverstaendlichen und fuer viele «gesetzlosen» Botschaft muss automatisch in Konflikte geraten.
Das Konflikt-Szenarium, wie es sich um Jesus entwickelte,
ist von den Evv verhaeltnissmaessig gut ueberliefert. Dass JvN
als Prophet, gar als menschlicher Gottes-Sohn, dem Gesetz des
Todes unterliegt, gilt als normal – das wird heute theologisch
anerkannt – aber dass er auf diese Art und Weise – d.h. durch
Verspottung und Kreuzigung zu sterben hat, kann nur zeit-
geschichtlich erklaert werden.
Der «Jesus-Konflikt» wurde rasch geloest: weg mit ihm,
zu gefaehrlich fuer die «bisherige Gottes-Ordnung», kreuzige ihn !
Das Problem geloest.
Fuer uns heute sieht es so aus, dass Jesu’ engagement,
seine geradlinige Hingabe fuer… seinem Leben
kurzerhand das Ende brachte.
Die traditionelle Karfreitags-Liturgie in der weltweiten
«Passions- woche» ist da etwas vieltraechtiger. Traditions-
Stroeme haben da ihre Ablagerungen hinterlassen.
1. Der Einzug in die Kirche ist stillschweigend
(im Gegensatz zum Palm-Sonntag). Man tut so, als sei die
Kirche Jesus-Verlassen (und daher Gott-Verlassen).
2. Das menschliche Wort Gottes in den Lesungen ist ueber-
waeltigend und sagt eindeutig: Er hat sich den Menschen-
haenden uebergeben / hingegeben.
Is 52 «Wie ein Setzling wuchs er in unserer Sicht auf, Wurzel
in duerrem Boden; weder schoen noch herrlich, keineswegs
attraktiv fuer unsere Augen«. Die damalige Kultur hatte Muehe
ihn zu schaetzen. So war nach Paulus JvN zwar Gottes-Sohn –
aber eben auch wie einer von uns (Hebr 4).
Auch wir sind Kinder Gottes und den Menschenhaenden
uebergeben. Wer kann das verstehen, geschweige denn
dulden? Nachdem er also uebergeben war, so sagen es die
4 Leidens-Geschichten deutlich: Da hat sogar Gott ihn
verlassen (Mk + Mt), aber – er gab sich trotzdem den
Haenden Gottes hin (Lk) und so wurde sein Hingabe-Tod
zur Eroeffnung seiner neuen Menschen-Kultur:
der Auferstehung.
3. Nach dieser verfassten Aufklaerung ueber den Preis fuer
die Hingabe-Existenz schaltet die Kirche ueber zu den
Fuerbitten. Noch immer gilt die irdische Wirklichkeit
(die Glaeubigen, die Unglaeubigen, die Beauftragten) als
in Erloesungs-Not; alles gilt als angewiesen auf die Gabe
der Hingabe-Existenz.
4. Als Hoehepunkt der Feier gilt die Kreuz-Erhoehung:
Seht das Kreuz-Zeichen, an dem die Heilsquelle der Welt
angesiedelt ist. Diese dramatische Interpretation der
Kreuzigung Jesu ist wieder-gespiegelt in den vielen Gipfel-
und Wegkreuzen der Welt und in den Passionsspielen.
Der Karfreitag ist noch nicht als eine weltweite Kath.
Interpretation des Todes bekannt worden. Es wird nur sachte
und intern angedeutet:
dass der Kreuzweg als identisch mit dem
Auferstehungsweg gesehen werden kann
und dies in jedem Augenblick.
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