Weiter aus Hoffmanns Jesusbuch
(Über meinen Spitalaufenthalt werde ich in freien Folgen, zumeist anekdotisch berichten. Andere Themen dürfen nicht zu kurz kommen. Darum heute wieder ein Ausschnitt aus Hoffmanns Jesusbuch; umständehalber ohne kommentierende Fragen. Ich hoffe, damit trotzdem eine Diskussion anzustossen)Alle lehren …Nehmen wir diesen Ansatz ernst, bedeutet dies auch eine Verlagerung der christlichen Lehrentwicklung von oben nach unten. Der notwendige Prozess der Übersetzung des überlieferten Glaubens unter der Heraus¬forderung der jeweiligen gesellschaftlichen Situation hat seinen Ort in der Gemeinde. Er setzt die Beteiligung aller am Gespräch voraus, vor allem derer, die «in der Welt» solchen Glauben zu praktizieren haben. Nur dann besteht die Chance, dass die gefundene Übersetzung Rele¬vanz gewinnt. 1 Kor 14 kann das deutlich machen: Hier wird jedem sein Wort zugestanden. Über die Wahrheit des christlichen Glaubens kann nicht von Amtsträgern oder Theologenkommissionen entschieden werden. Sie ist im Gespräch aller zu finden. Notfalls erfordert das den Streit miteinander, wie der antiochenische Konflikt lehrt (vgl. G a12,11-14). Das Glaubensgespräch an der Basis der Gemeinde ist die zentrale Stelle, wo das jesuanische Erbe der jeweiligen Gegenwart vermittelt wird (vgl. Mt 18,18.20).Der kirchliche «Lehrer», speziell der Theologe, könnte hier sein ge¬nuines Amt wiederfinden. Seine Aufgabe wäre es, an diesem Prozess informierend, innovierend oder kritisierend teilzunehmen – im Wis¬sen darum, dass er selbst auf Information, Inspiration und Kritik an¬gewiesen bleibt. Damit wandelte sich aber auch die Aufgabe der Theo¬logie. Statt der Glasperlenspiele dogmatischer Systembildung oder exegetischer Analysen als Part pour l’art könnte sie diesem Überset¬zungsprozess dienen.
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