Markus Baumgartner

Weihnachten wieder mal neu erleben

Das Weihnachtsfest stellt zusehends eine säkularisierte Ausprägung einer Wohlstands- und Wohfühlgesellschaft dar. Angesichts der anstrengenden Pandemie, von Gewalt und Terror und von Armut und sozialer Not wird deutlich, dass ein solches Fest nicht «verkitscht» gefeiert werden sollte.

Im Folgenden ein paar Hinweise auf Bücher und CDs, die im positiv-kritischen Sinne auf Weihnachten einstimmen können.

«JedeR ist Königin»

Diakon Joseph Thali war 40 Jahre in der Seelsorge tätig, davon 30 Jahre als Gemeindeleiter in Rothrist, Frick und zu­ letzt in Allschwil (BL). Mit seinem Buch «JedeR ist Königin. Befreiende Rückgewinnung religiöser Zeichen im Jahreskalender» (Eigenverlag, 66 Seiten, ISBN 978-3-033-04876-8) will er aufrütteln, religiöse Feste vor einer Kommerzialisierung bewahren und in ihrer Ursprungsbedeutung zurückgewinnen. Er liefert kritisch durchleuchtete Erinnerungen aus seiner Kindheit, unterlegt diese mit biblischen Besinnungen und befreiungstheologischen Anstössen und verortet die insgesamt 18 Bräuche kritisch in der heutigen Zeit. So werden der Samichlaus und der heilige Martin zu Protagonisten für die Benachteiligten, ein Leitmotiv, das dem Buch den Titel gegeben hat: JedeR darf Königin sein bzw. ist Königin. 

«Ankunft 24. Dezember»

Der Münsteraner Kirchengeschichtler Hubert Wolf kommt mit seinem Buch «Ankunft 24. Dezember. Weihnachten neu entdecken» (Lambert Schneider Verlag, Darmstadt) sanfter daher, aber will genauso aufrütteln und zum Nachdenken anregen wie Joseph Thali, sei dies mit Predigten oder mit biblisch unterlegten Glaubensmeditationen mit dem Ziel, Weihnachten neu zu entdecken. Im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Veröffentlichungen Wolfs steht nicht die Kirche als Institution im Mittelpunkt, sondern das Ursprungsereignis des Christentums, die Menschwerdung Gottes.

«S isch heiligi Wiehnachtszyt»

Der Volkskundler Dominik Wunderlin verfolgt mit seinem im Paulus-Verlag erschienenen, reich bebilderten Buch «s isch heiligi Wiehnachtszyt. Die schönsten Advents- und Weihnachtsbräuche der Schweiz» nicht den genau gleichen Ansatz wie die beiden bereits erwähnten Bücher, regt aber mit einem Blick auf die Geschichte vieler Bräuche ebenso zum Nachdenken an. Viele Weihnachtsbräuche sind erst im 19. oder 20. Jahrhundert entstanden. Bräuche kommen und gehen, viele sind «eingewandert», und ihre Ursprünge verweisen oft auf einen tieferen Sinn.

Musik zum Nachdenken

«Rondeau Production» ist ein Label für anspruchsvolle Vokalmusik aus Leipzig, das mehrere CDs veröffentlicht hat: Benjamin Brittens Kinderkreuzzug, die Rosenmüller Marienvesper, Spielarten von Liedern Martin Luthers oder Mess- teile zeitgenössischer Komponisten, César Francks «Die sieben letzten Worte Christi am Kreuz» usw. Die qualitativ hochstehenden und günstigen CDs können Online (www.rondeau.de) direkt bestellt werden. 

Quelle Unsplash.com
6. Dezember 2021 | 22:00
von Markus Baumgartner
Teilen Sie diesen Artikel!